Meng Hongwei - China ermittelt gegen vermissten Interpol-Präsidenten Ende September war der Interpol-Chef Meng Hongwei in China verschwunden, nun sagen die dortigen Behörden, gegen ihn werde ermittelt. Zudem gab Interpol seinen Rücktritt bekannt. © Foto: Wong Maye-E/ picture alliance / AP Photo

Die internationale Polizeibehörde Interpol hat den Rücktritt ihres Präsidenten Meng Hongwei verkündet. Es sei eine Rücktrittserklärung Mengs mit "sofortiger Wirkung" eingegangen, teilte Interpol am Sonntagabend in Lyon mit. Kurz zuvor hatte sich  China erstmals zum Verbleib des verschwundenen Interpol-Präsidenten Meng Hongwei geäußert. Die Disziplinarbehörde der regierenden Kommunistischen Partei teilte mit, gegen den 64-Jährigen werde wegen mutmaßlicher Gesetzesverstöße ermittelt. Er stehe unter staatlicher "Aufsicht", hieß es. Was für Verstöße ihm vorgeworfen werden, blieb unklar. Die Behörde ist unter anderem für die Verfolgung von Korruption in den Reihen der Staatsbediensteten zuständig.

Vizepräsident Kim Jong Yang aus Südkorea soll nun vorübergehend die Präsidentschaft von Interpol übernehmen. Bei der Generalversammlung im November solle dann ein Nachfolger gewählt werden, teilte Interpol weiter mit. Die Organisation bleibe auf ihre Mission konzentriert, Gesetzeshütern weltweit zu helfen, ihre Grenzen zu sichern, ihre Bürger zu beschützen, Verbrechen zu verhindern und zu untersuchen, sowie die globale Kooperation der Polizei zu verbessern.

Meng ist chinesischer Staatsbürger und seit November 2016 Chef der internationalen Polizeibehörde Interpol. Am 25. September war er zum Urlaub in sein Heimatland China gereist, seitdem war sein Verbleib unbekannt. Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock hatte von China eine Begründung für Mengs Verschwinden gefordert.

"Diese Angelegenheit betrifft die internationale Gemeinschaft"

Mengs Ehefrau Grace Meng hatte ihn am Freitag bei der französischen Polizei als vermisst gemeldet. Vor Bekanntwerden des Rücktritts wandte sie sich mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit. "Diese Angelegenheit betrifft die internationale Gemeinschaft", sagte sie in einem Hotel in Lyon, wo Interpol seinen Sitz hat. Grace Meng habe dabei aus Sorge um ihre Sicherheit den Kameras den Rücken zugedreht und mit zitternder Stimme gesprochen. Zudem wollte sie nicht fotografiert werden. "Ich weiß nicht, was ihm passiert ist", sagte Grace Meng, die mit den gemeinsamen Kindern in Lyon lebt. Obwohl sie und ihr Mann sich nicht sehen könnten, seien sie mit ihren Herzen verbunden. "Deshalb wird er es durchstehen", sagte sie.

Nach der Verlesung der Erklärung sagte sie zu Journalisten, sie glaube, dass ihr Mann in Gefahr sei. Er habe ihr am 25. September, dem Tag seiner Ankunft in China, eine Mitteilung über ein soziales Netzwerk geschickt, in der er schrieb: "Warte auf meinen Anruf." Eine zweite Mitteilung habe lediglich einen Emoji enthalten, der für eine Gefahrensituation steht. In Folge von Drohungen wurde Mengs Frau unter Polizeischutz gestellt. Die Staatsanwaltschaft Lyon ermittelt deswegen.

Interpol ist die wichtigste internationale Polizeiorganisation. Die 192 Mitgliedstaaten tauschen unter anderem Informationen zu gesuchten Personen aus. Meng war 2016 als erster Chinese zum Interpol-Präsidenten gewählt worden – eine international durchaus umstrittene Personalie. Sie hatte vor allem unter Menschenrechtlern Besorgnis ausgelöst. Amnesty International warf China damals vor, schon lange zu versuchen, Interpol für die Fahndung nach chinesischen Dissidenten und Aktivisten zu benutzen.