Was genau passiert da?

50.000 Soldaten, 10.000 Panzer und Militärfahrzeuge, 250 Flugzeuge und 65 Schiffe: Das sind die Eckdaten des Nato-Manövers Trident Juncture 18. Offizielles Übungsgebiet sind Mittel- und Ostnorwegen, umgebende Gebiete im Nordatlantik und in der Ostsee, einschließlich Island und dem Luftraum über Finnland und Schweden. Finnland und Schweden gehören zwar nicht der Nato an, sind aber Partnerstaaten der Militärallianz. Simuliert wird der Angriff auf Norwegen und die Aktivierung der Beistandsklausel nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags. Dabei soll die Fähigkeit der Nato trainiert werden, schnell Truppen aus Teilen Europas und Nordamerika zusammenzuziehen.

Wie außergewöhnlich ist diese Übung?

Trident Juncture 18 ist groß – aber zu Zeiten des Warschauer Paktes und der Sowjetunion hatten Nato-Manöver noch größere Ausmaße. Allein an den regelmäßigen Reforger-Großmanövern in Deutschland nahmen oft mehr als 50.000 Soldaten teil, 1988 waren es fast 125.000. Die jüngste Simulation ist aber die größte Nato-Übung seit dem Ende des Kalten Krieges. Das letzte Nato-Manöver wurde Anfang September in der westlichen Ukraine abgehalten. Es beteiligten sich 2.200 Soldaten aus den USA, der Ukraine und anderen Nato-Staaten. 

Warum hält die Nato das Manöver für notwendig?

Offiziell geht es bei Trident Juncture 18 um einen simulierten Bündnisfall, es ist jedoch auch ein Signal an Russland mit der Botschaft: "Wir sind bereit, alle Bündnispartner gegen jegliche Gefahr zu verteidigen", kommentierte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg das Manöver. Um glaubhaft abschrecken zu können, müsse man die Stärke des Bündnisses zeigen.

Besonders östliche Mitgliedsstaaten der Nato drängen darauf, sich wieder besser für den Bündnisfall zu wappnen. Denn es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Russland auch in einem Nato-Land für Unfrieden oder sogar Krieg sorgen könnte. Hinter der Sorge steht Russlands Besetzung der Krim seit 2014 und der Angriff auf die Ostukraine, wo immer noch Krieg geführt wird. Zudem führt das russische Militär seit einigen Jahren immer häufiger größere Militärübungen durch. 2017 hielt es gemeinsam mit Belarus das Manöver Sapad 2017 im europäischen Teil Russlands ab. Nach eigenen Angaben waren rund 12.700 Soldaten beteiligt – nach Einschätzung der Ukraine und der baltischen Staaten war die Zahl aber deutlich höher. Außerdem hat Russland 5.000 Kilometer östlich von Moskau im September dieses Jahres ein gigantisches Manöver abgehalten. Die Eckdaten von Wostok-2018: 300.000 Soldaten, 36.000 Panzer und Militärfahrzeuge, mehr als 1.000 Flugzeuge und Hubschrauber, 80 Marineschiffe.

Warum gerade jetzt?

Polen und die ehemaligen Sowjetrepubliken Lettland, Litauen und Estland fühlen sich durch Russland bedroht. Deutschland und führende Nato-Militärs hingegen sehen eher keine Anzeichen dafür, dass Russland einen Angriff auf einen Nato-Staat plant. Um aber vorbereitet zu sein, wird in der Nato seit 2014 wieder stark aufgerüstet und auch deutlich mehr geübt. Ein direkter Zusammenhang zur Kündigung des INF-Abrüstungsvertrags der USA mit Russland durch US-Präsident Donald Trump besteht nicht. Großmanöver wie Trident Juncture 18 sind aufwendig und werden lange vorher geplant.

Warum findet die Übung in Norwegen statt?

Nato-Offizielle betonen, dass die Auswahl Norwegens keinen Bezug zur angenommenen und realen Gefahr hat, die von Russland ausgeht. Das "Kerngebiet" der Übung liege "1.000 Kilometer von der russischen Grenze" entfernt im Norden Norwegens, sagt der für die Übung zuständige norwegische General Rune Jakobsen. Einsätze der Luftwaffe fänden in 500 Kilometer Abstand statt.