US-Präsident Donald Trump hat immer gesagt, er habe sich sein Vermögen selbst erarbeitet. Eine Recherche der New York Timeskommt nun zum gegenteiligen Schluss. Wie die Zeitung berichtet, kam ein großer Teil von Trumps Reichtum durch Steuertricks zustande – "Fälle von klarem Betrug eingeschlossen".

Die New York Times bezieht sich dabei auf Vorgänge in den 1990er-Jahren. Das sind – den Autoren zufolge – die wichtigsten Erkenntnisse der Recherchen:

  • Es gebe ein Muster: Die Linie zwischen legaler Steueroptimierung und Betrug ist oft nicht klar zu ziehen. Offenbar wurden die Steuererklärungen der Trumps vom Finanzamt ohne Weiteres akzeptiert. Doch von der New York Times befragte Steuerexperten sähen in den Vorgängen "ein Muster der Täuschung und Verschleierung", das sich mehrmals wiederholt habe.
  • Donald Trump habe schon als Kind viel Geld von seinem Vater Fred erhalten. "In jeder Phase seines Lebens waren seine Finanzen eng mit denen seines Vaters verflochten und hingen von ihm ab." Schon mit drei hat Trump demnach ein 200.000-Dollar-Jahresgehalt (auf die heutige Kaufkraft hochgerechnet) von seinem Vater erhalten. Und jedes Mal, wenn der Sohn neue Großprojekte begann, habe sein Vater ihm finanziell geholfen.
  • Die Geldgeschenke seien größer gewesen, als der Präsident zugebe. Statt des oft behaupteten "kleinen Kredits" über eine Million, rückzahlbar mit Zinsen, seien es mindestens 60,7 Millionen gewesen. "Viel davon wurde nie zurückgezahlt", berichtet die Times.
  • Als Donald Trumps Geschäfte scheiterten und er einen Notkredit von den Banken brauchte, habe ihn sein Vater gerettet.
  • 1987 hatte Donald Trump dem Bericht zufolge mindestens elf Millionen Dollar Schulden bei seinem Vater. Beide hätten einen Weg gefunden, diese Schulden zu erlassen, ohne dass die Steuerbehörden es erfuhren – denn ein solches Geschenk hätte mit einem Millionenbetrag versteuert werden müssen.
  • Vater und Sohn hätten den Mythos des Selfmade-Milliardärs Donald Trump gemeinsam geschaffen.
  • Donald Trump habe versucht, das Testament seines Vaters zu ändern. Die ganze Familie habe einen Weg gefunden, das Vermögen des Patriarchen an der Steuer vorbei an die Angehörigen zu übertragen. "Experten sagten der Times, (die Steuervermeidungsstrategien) seien legal fragwürdig gewesen und in manchen Fällen anscheinend betrügerisch."
  • Zu diesem Zweck habe die Familie eine Firma geschaffen, die Fred Trumps Immobilienunternehmen Scheinrechnungen stellte – ohne tatsächliche Gegenleistung. Fred Trump habe die Zahlungen beglichen, das Geld sei in die Taschen seiner Kinder und eines Neffen geflossen.
  • Zudem sei Vermögen, das offiziell von Fred Trump an seine Kinder übertragen wurde, in den Büchern deutlich unter Wert verzeichnet worden, um die fällige Steuer von 55 Prozent möglichst gering zu halten.
  • Als Fred Trump starb, sei ein Großteil seines Vermögens verschwunden gewesen. Der Rest sei wiederum in den Büchern deutlich unter Wert geführt worden, um Steuern zu sparen.
  • Als Donald Trump im Jahr 2003 verkauft habe, was noch vom Imperium seines Vaters übrig war, habe er einen viel zu geringen Preis erzielt.
New York Times - Trump soll Eltern bei Steuervermeidung geholfen haben Der US-Präsident soll sein Vermögen gemacht haben, indem er Geld aus dem Imperium seines Vaters erhielt. Das geht aus Recherchen der »New York Times« hervor. © Foto: Jason Szenes/EPA/dpa

Insgesamt hat der US-Präsident der New York Times zufolge durch die Tricks im Lauf der Zeit aus dem Immobilienunternehmen seines Vaters eine Summe erhalten, die heute mindestens einem Wert von 413 Millionen Dollar entspräche. Trump habe auf Rechercheanfragen zu der Sache nicht geantwortet, heißt es in dem Bericht. Sein Anwalt bezeichnete ihn als "100 Prozent falsch und höchst verleumderisch".

Insgesamt hätten Trumps Eltern ihm und seinen vier Geschwistern deutlich mehr als eine Milliarde Dollar übertragen, schreibt die Times. "Das hätte eine Steuerrechnung von mindestens 550 Millionen Dollar zur Folge haben können, denn zu der Zeit galt ein Steuersatz von 55 Prozent auf Geschenke und Erbschaften." Doch die Familie habe nur 52,2 Millionen Dollar gezahlt. 

Die Recherchen gewinnen ihre politische Relevanz auch dadurch, dass der US-Präsident es im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern ablehnt, seine Steuerzahlungen offenzulegen.