Es war eines der potenziellen Opfer, das die Lage auf den Punkt brachte. Hillary Clinton sagte, nachdem in ihrem Haus und bei mehreren anderen demokratischen US-Politikern und Medien Sprengsätze gefunden wurden: "Es ist eine Zeit tiefer Spaltung, und wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um unser Land zusammenzubringen." Da kann man nur sagen: Schön wär's.

Ja, die tiefe Spaltung der USA bildet den Hintergrund dieser versuchten Bombenanschläge. Es ist naheliegend, dafür Donald Trump verantwortlich zu machen. Aber das wäre nicht die ganze Geschichte.

Als Präsident hat Barack Obama acht Jahre lang versucht, das linke und das konservative Amerika einander wieder näherzubringen. Aber er ist gescheitert. Weil er es auf der Gegenseite mit einer republikanischen Partei zu tun hatte, die kein Interesse an Annäherung hatte. In Obamas zweiter Amtszeit dominierten die Republikaner den Kongress, die Lager wären also eigentlich zu Kompromissen gezwungen gewesen. Doch ein Großteil der Politikerinnen und Politiker in Washington – und dazu muss man auch die Demokraten zählen – leben seit Jahren vor, dass Politik nur über den Sieg funktioniert. Ein Beispiel ist der sich stets wiederholende Haushaltsstreit, in dem Republikaner wie Demokraten gewillt sind, die Regierung faktisch zum Erliegen zu bringen, um ihre Forderungen durchzusetzen.

Egal also ob Steuerpolitik, Waffenrechte, Homoehe oder das Recht auf Abtreibung, jeder Bürger muss sich im heutigen Amerika entscheiden, auf welcher Seite er steht.

Hier beginnt die Verantwortung von Donald Trump. Ein großer Präsident würde in einem solchen Klima die Chance einer eigenen Parteimehrheit im Kongress nutzen, um eine Politik der gemeinsamen Lösungen zu machen. Aber Donald Trump ist kein großer Präsident.

Er nutzt die zerrissene Gesellschaft und das aggressive Klima für sich. Und er verschärft es in einer Art, die vor seiner Präsidentschaftskandidatur fast undenkbar erschien. Einwanderer ohne Papiere überzieht er regelmäßig mit Hass, Hillary Clinton nannte er im Wahlkampf fast ausschließlich "crook", eine Gaunerin, rassistische Übergriffe wie die in Charlottesville tut der US-Präsident nicht nur ab, in diesen Tagen bezeichnete er sich selbst bei einem Wahlkampfauftritt als "Nationalist". Wirklich niemanden kann es da überraschen, dass sich die hasserfüllte Rhetorik irgendwann in tatsächlicher Gewalt äußert.

Wie aufgeputscht von den Worten des Präsidenten

Wer bei einer Trump-Rede im Saal ist, spürt die aufgeheizte Stimmung, der Großteil seiner Anhängerinnen und Anhänger ist wie aufgeputscht von den Worten ihres Präsidenten. Sie hinterfragen seine Worte nicht, Fakten interessieren sie nicht. Die New York Times und andere liberale Medien verbreiten Fake-News? Natürlich! Nicht selten werden Reporter auf diesen Veranstaltungen angepöbelt, wenn sie nicht bei Fox News arbeiten. Selbst republikanische Abgeordnete haben Reporter schon angegriffen. Trumps Reaktion darauf? Er findet es toll, wenn jemand einen body slam kann.

Unter den Tausenden Migranten, die sich in Lateinamerika auf den Weg Richtung USA gemacht haben, sind "Terroristen"? Sicher! "Build that wall" war der Soundtrack seiner Anhänger im Präsidentschaftswahlkampf, teilweise minutenlang wurde der Slogan skandiert, angefeuert von Trump.

Es ist leider nur konsequent, dass Trump diese Spaltung, die ihm den Sieg gebracht hat, auch im Amt weiter betreibt, statt sie zu mildern. Die Demokraten sind schuld an allem und dürfen auf keinen Fall die Mehrheiten im Kongress zurückerobern, weil die USA sonst dem Untergang geweiht sind? Sowieso! Selbst diejenigen, die sich im Gespräch gemäßigter geben, folgen den Verleumdungen in Trumps Welt gern.  

Für einen Moment gibt sich der US-Präsident nach Taten wie diesen oder auch Amokläufen, die das ganze Land treffen, versöhnlich. Schafft es, Gewalt zu verurteilen und die Gesellschaft zum Zusammenhalt aufzurufen. Allein: Glaubwürdig ist das nicht. Weil er kurz darauf wieder zurückkehrt zur Hetze. Wie am Mittwochabend, als er bei einem Wahlkampfauftritt in Wisconsin immer wieder sagte, wie gut er sich doch benehme. Um dann doch den Medien und seinen politischen Gegnern eine Mitschuld an den Taten zuzuschieben.  

Trumps Worte und seine Inszenierung vermitteln jedem Jungen auf irgendeinem beliebigen Schulhof im Land, dass es okay ist, so zu denken. Andere fertig zu machen. Wenn der Präsident sich so verhält, dann geht das schon in Ordnung.