Polens nationalistische Regierungspartei PiS hat bei den landesweiten Regionalwahlen laut Prognosen die meisten Stimmen geholt. Nach Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Ipsos kam die Partei auf 32,3 Prozent. Das ist allerdings weniger als bei der Parlamentswahl 2015. Damals waren es 38 Prozent.

Der polnische Politikwissenschaftler Marcin Zaborowski nannte die Prognose für die PiS enttäuschend, angesichts "totaler Kontrolle über die Staatsmedien und beispielloser Ressourcen, die von der Regierung investiert wurden". Parteichef Jarosław Kaczyński sagte dennoch, dass das Ergebnis ein gutes Zeichen für die Zukunft sei. Er fügte hinzu, dass die am Wahltag erfragten Ergebnisse sich von den für Dienstag oder Mittwoch erwarteten offiziellen Zahlen unterscheiden könnten.

Auch die proeuropäische Bürgerplattform schnitt laut ersten Trends gut ab. Ihr Kandidat Rafał Trzaskowski gewann demnach bei der prestigeträchtigen Bürgermeisterwahl in der Hauptstadt Warschau schon in der ersten Runde mit 54,1 Prozent. Sollte es dazu kommen, muss der frühere EU-Parlamentsabgeordnete sich für den Wahlsieg am 4. November keiner Stichwahl stellen. Auch in Städten wie Poznań, Łódź und Lublin entschied die Bürgerplattform die Wahl für sich. Im Gegensatz zur PiS, die vor allem in Dörfern und Kleinstädten gewählt wurde, war das Bündnis vor allem in Großstädten im Vorteil. Kommentatoren deuteten dies so, dass einigen Bürgern der fortwährende Konfrontationskurs der PiS mit der EU missfällt. So hatte Brüssel kritisiert, dass die radikale Reform des polnischen Justizwesens durch die Regierungspartei den demokratischen Werten Europas zuwiderlaufe und sie als systematische Bedrohung der Rechtsstaatlichkeit bezeichnet. Gegen die umstrittenen Zwangspensionierungen von Richtern klagte die EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Einer einstweiligen Gerichtsanordnung zufolge muss Polen betroffenen Richtern mindestens bis zum endgültigen EuGH-Urteil ermöglichen, ihre Arbeit fortzuführen.

Bei den Regionalwahlen stimmten die Polen über neue Bürgermeister, Gemeinderäte sowie weitere kommunale Amtsträger ab. Mit etwa 51,3 Prozent lag die Wahlbeteiligung etwas höher als zuvor, meldete Ipsos. Nach eigenen Angaben befragte das Institut Wähler in 1.160 Wahllokalen nach ihrer Stimmabgabe.