Brasilien hat künftig einen Rechtsradikalen an der Spitze des Staates. Jair Bolsonaro lag bei der Präsidentenwahl mit etwa 55 Prozent der Stimmen vor seinem linken Stichwahlgegner Fernando Haddad, der auf knapp 45 Prozent kam. 

"Gemeinsam werden wir Brasiliens Schicksal verändern", sagte Bolsonaro in seiner Siegesrede. Er wolle Brasilien zu einer "großen Nation machen", sagte der Rechtsaußenpolitiker, der häufig als Donald Trump Brasiliens bezeichnet wird. Er kündigte einen scharfen Rechtskurs an: "Wir können nicht länger mit dem Sozialismus, dem Kommunismus, dem Populismus und dem Linksextremismus flirten."

Bolsonaro hatte schon die erste Wahlrunde am 7. Oktober klar gewonnen und war als Favorit in die Stichwahl gegangen. Er wird das Präsidentenamt im Januar 2019 antreten. Der scheidende Staatschef Michel Temer gratulierte Bolsonaro zu seinem Wahlsieg und kündigte an, die Übergabe der Regierungsgeschäfte werde ab Montag vorbereitet.

Noch am Abend kamen auch aus konservativen Ländern in Südamerika Gratulationen. Er hoffe auf eine Zusammenarbeit zum Wohl der Beziehung zwischen den beiden Ländern und ihrer Bürger, schrieb der argentinische Präsident Mauricio Macri. Der chilenische Staatschef Sebastián Piñera schrieb an Bolsonaro gewandt, sicher zu sein, sie könnten gemeinsam mit Weitblick und Stärke an einer Zukunft arbeiten, die Integration und Wohlergehen beider Völker fördern werde. 

Politikwechsel in Brasilien

Auch US-Präsident Donald Trump setzt nach dem Wahlsieg Bolsonaros auf eine engere Zusammenarbeit der beiden Länder. In einem Telefonat habe Trump Bolsonaro gratuliert, teilte das Weiße Haus mit. Beide hätten ihren Willen bekundet, Seite an Seite zu arbeiten, um die Leben der Menschen in den USA und in Brasilien zu verbessern.

Bolsonaros Stichwahlgegner Haddad räumte seine Niederlage ein, wollte Bolsonaro aber nicht zum Sieg gratulieren. "Habt keine Angst", sagte er vor Anhängern der Arbeiterpartei in São Paulo. Er rief die Brasilianer dazu auf, die Demokratie zu verteidigen. "Wir leben in Zeiten, in denen die Institutionen ständig auf die Probe gestellt werden", sagte er. 

Die Wahl des ultrarechten Bolsonaro könnte einen radikalen Politikwechsel in Brasilien nach sich ziehen. Bolsonaro hatte im Wahlkampf mit frauenverachtenden, rassistischen und homophoben Äußerungen viele Menschen empört. Er hat zudem immer wieder Bewunderung für die Militärdiktatur von 1964 bis 1985 geäußert und angekündigt den Zugang zu Waffen zu erleichtern, wichtige Ministerien mit Militärs zu besetzen und möglicherweise aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen.

Linke, Menschenrechtler und Minderheiten befürchten, Bolsonaros hetzerische Aussagen im Wahlkampf könnten nun zu Gewalt gegen Homosexuelle, Schwarze und Indigene führen. Kurz vor der Wahl hatte der Ex-Militär angekündigt: "Es wird eine in Brasilien niemals gesehene Säuberung geben."

Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas befindet sich in der Krise. Zahlreiche Politikerinnen und Politiker sind in Korruptionsskandale verwickelt, die Wirtschaft läuft nur schleppend und die Gewalt nimmt immer weiter zu. Über 60.000 Menschen wurden im vergangenen Jahr getötet – in den Favelas liefern sich Drogenbanden und Sicherheitskräfte regelmäßig lange Schießereien.

Das Land ist politisch tief gespalten. Viele arme Brasilianerinnen und Brasilianer verehren Ex-Präsident Lula und dessen Arbeiterpartei, die sie mit milliardenschweren Sozialprogrammen aus der bittersten Armut geholt haben. In der Mittel- und Oberschicht hingegen herrscht Misstrauen gegen die Linken.