Der Journalist Jamal Khashoggi ist im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul getötet worden. Das sagte der saudi-arabische Generalstaatsanwalt Scheich Saud al-Modscheb am Samstag. Zwischen dem 59-jährigen Khashoggi und mehreren Personen, "die er im Konsulat des Königreichs in Istanbul getroffen" habe, sei es zu Diskussionen und einem Streit gekommen. Daraus sei ein "Faustkampf" entstanden, der zum Tod des Journalisten geführt habe. 18 saudische Staatsbürger gälten als Verdächtige und seien in Gewahrsam genommen worden. Bisher hatte die saudische Führung wiederholt dementiert, dass der Journalist und Regimekritiker im Konsulat getötet wurde.

Der saudi-arabische König Salman habe nun außerdem befohlen, den Königshausberater Saud al-Kahtani und den stellvertretenden Geheimdienstchef Ahmed al-Asiri zu entlassen. Al-Asiri gilt als enger Vertrauter von Kronprinz Mohammed bin Salman. Bin Salman ordnete Medienberichten zufolge die Bildung eines Ministerialkomitees an, das den Geheimdienst umbauen solle.  

US-Präsident Trump sagte, die Darstellung sei "glaubhaft"

Auf einem Wahlkampfauftritt in Arizona nannte Trump die neue Darstellung Saudi-Arabiens nun "glaubhaft". Die Tötung sei "inakzeptabel" und "ein furchtbares Ereignis". Er halte den Fall noch nicht für restlos aufgeklärt. Es sei aber "guter erster Schritt" und wichtig gewesen, dass das Königreich Festnahmen in dem Fall verkündet habe. Über den Umfang einer Reaktion der Vereinigten Staaten wolle er sich mit dem Kongress abstimmen. Trump hatte zuletzt eine "schwere Bestrafung" angekündigt, sollte Saudi-Arabien für den Tod Khashoggis verantwortlich sein.

Bundesaußenminister Heiko Maas hatte am Mittwoch eine geplante Reise nach Saudi-Arabien vorerst abgesagt und das Land aufgefordert, den Fall aufzuklären: "Die Vorwürfe, die im Raum stehen, die sind gravierend bis verstörend, muss man ja fast sagen", hatte Maas gesagt. "Wir wollen wissen, was dort geschehen ist."

Türkische Ermittler wollen Beweise für Folter und Mord haben

Der Journalist Khashoggi wollte am 2. Oktober im Konsulat des Königreichs in Istanbul Papiere abholen und galt seitdem als verschwunden. Die türkischen Behörden waren davon ausgegangen, dass er von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando im Konsulat getötet und seine Leiche mit einer Knochensäge zerteilt und fortgeschafft wurde.

Laut den türkischen Behörden sollen Video- und Tonaufnahmen existieren, die zeigen sollen, wie Khashoggi gefoltert und ermordet wurde. Seit seinem Verschwinden hatten türkische Behörden das Konsulat zweimal durchsucht und die dortigen Mitarbeiter befragt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte außerdem gesagt, im Konsulat seien Spuren "giftiger Substanzen" gefunden worden. 

Saudi-Arabien hatte die Berichte wiederholt als haltlos zurückgewiesen und mitgeteilt, Khashoggi habe das Konsulat bereits nach wenigen Minuten wieder verlassen und befinde sich nicht mehr in dem Gebäude. Der Generalstaatsanwalt äußerte sich auch jetzt nicht zum Verbleib und dem Zustand der Leiche.

Seit 2017 war Khashoggi in den USA im Exil

Jamal Khashoggi war einer der bekanntesten Journalisten Saudi-Arabiens. Er interviewte unter anderem Osama bin Laden, als dieser 1987 noch in Afghanistan gegen sowjetische Soldaten kämpfte. Khashoggi war, bevor er in die USA ins Exil ging, Korrespondent und Mitglied der Chefredaktionen einiger der wichtigsten Medien Saudi-Arabiens gewesen.

Im Sommer 2017 war er aus Angst vor Verfolgung in die USA ins Exil geflohen. Er hatte dort eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung und schrieb unter anderem für die Washington Post. Die Zeitung veröffentlichte am Mittwoch die letzte Kolumne des Autors.