US-Finanzminister Steven Mnuchin hat seine Teilnahme an einer Investorenkonferenz in Riad abgesagt. "Ich werde nicht an dem Gipfel der Future Investment Initiative in Saudi-Arabien teilnehmen", teilte Mnuchin auf Twitter nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump und Außenminister Mike Pompeo mit. Hintergrund der Entscheidung ist die Affäre um den vermissten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi.

Pompeo war am Mittwoch und Donnerstag zu Gesprächen in die Türkei und nach Saudi-Arabien gereist. Die Regierung in Riad habe ihm versichert, dass "sie eine vollständige, gründliche Ermittlung" vornehmen werde, sagte Pompeo Journalisten, nachdem er Trump über seine Reise Bericht erstattet hatte. Er habe dem Präsidenten gesagt, dass "wir ihnen noch ein paar Tage geben sollten, um das abzuschließen".

Von Khashoggi fehlt seit einem Aufenthalt im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul am 2. Oktober jede Spur. Türkische Ermittler gehen davon aus, dass der regierungskritische Journalist im Konsulat ermordet wurde. Sie hatten das Gebäude erneut durchsucht. Die Führung in Riad weist dies zurück, blieb bisher aber den Beweis dafür schuldig, dass Khashoggi das Konsulat lebend wieder verlassen hat.

Kurseinbruch nach Mnuchins Absage

Seit dem Verschwinden Khashoggis gehen zahlreiche westliche Unternehmen zu Saudi-Arabien auf Distanz. Mnuchin hatte bisher an seinen Reiseplänen zu der auch Wüsten-Davos genannten Wirtschaftskonferenz festgehalten. Nach seiner Absage brachen die Kurse an der US-Börse ein.

Zuvor hatte bereits Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire angekündigt, nicht nach Riad zu reisen, da Khashoggis Verschwinden eine "sehr schwerwiegende" Angelegenheit sei. Präsident Emmanuel Macron erklärte, Frankreich setze "bestimmte politische Besuche nach Saudi-Arabien aus", bis das Verschwinden Khashoggis aufgeklärt sei.

Auch der britische Handelsminister Liam Fox sagte, "es ist nicht die richtige Zeit", um nach Riad zu fahren. Die Niederlande sagten ebenfalls die Teilnahme von Finanzminister Wopke Hoekstra ab sowie eine geplante Handelsmission im Dezember.

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte hingegen, Moskau könne nicht damit anfangen, die Beziehungen zu Saudi-Arabien zu verschlechtern, solange nicht klar sei, "was wirklich passiert ist". Die USA trügen im Übrigen "ein gewisses Maß an Verantwortung" am Schicksal Khashoggis, weil er dort gelebt habe, sagte Putin.

Auch aus der Wirtschaft gab es bereits Absagen: Unternehmer wie der Brite Richard Branson haben ebenso ihre Teilnahme aufgekündigt wie die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde.

Wie reagiert die deutsche Wirtschaft?

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen verlangte eine klare Positionierung der deutschen Wirtschaft. Er sagte dem Spiegel, es dürfe derzeit "kein business as usual mit Saudi-Arabien geben". Die Chefs mehrerer großer US-Firmen hätten ihre Teilnahme an der Future Investment Initiative kommende Woche in Riad abgesagt – "dieses Signal steht von deutscher Seite bisher aus".

Röttgen wies darauf hin, dass Siemens-Chef Joe Kaeser "noch nicht abgesagt" habe. "Die Bundesregierung muss klar machen, wie sie dazu steht", forderte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses.

Menschenrechtler fordern UN-Ermittlung

Unterdessen forderte eine Gruppe von Menschenrechtsorganisationen eine UN-Ermittlung zu dem Fall. Das sei die "beste Garantie gegen saudische Schönfärberei", sagte Robert Mahoney, Direktor des Komitees zum Schutz von Journalisten CPJ. Ihm schlossen sich Vertreter von Amnesty International, Human Rights Watch und Reporter ohne Grenzen an.

Sollten ranghohe Angehörige der saudischen Regierung Khashoggi tatsächlich "hingerichtet und zerstückelt" haben, dürften nicht die Täter selbst ermitteln, sagte Louis Charbonneau von Human Rights Watch. "So führt man keine strafrechtlichen Ermittlungen."

Neben den Saudis ermittelt auch die Türkei zu dem Vorfall, der sich im saudischen Konsulat in Istanbul am 2. Oktober zugetragen haben soll. Auf Nachfragen der Menschenrechtler habe die türkische UN-Vertretung bisher nicht reagiert, hieß es in New York. UN-Generalsekretär António Guterres kann eine Ermittlung nur einleiten, wenn alle beteiligten Parteien – in diesem Fall also Saudi-Arabien und die Türkei – oder ein UN-Gremium dies verlangt.