Die republikanische US-Senatorin Susan Collins hat angekündigt, für den umstrittenen Richterkandidaten Brett Kavanaugh zu stimmen. Damit wird dessen Bestätigung als Richter am Supreme Court sehr wahrscheinlich. Zudem sicherten der Republikaner Jeff Flake und der demokratische Senator Joe Manchin dem Juristen, den US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen hatte, ihre Stimmen zu. Die Republikaner können somit darauf hoffen, dass höchstens eine Person aus den eigenen Reihen gegen Kavanaugh stimmt und sie einen knappen Abstimmungserfolg erzielen. Derzeit haben die Republikaner eine Mehrheit von 51 zu 49 Stimmen im US-Senat.

Bisher hatte die Zustimmung von drei republikanischen Senatoren als unsicher gegolten: Mit Jeff Flake (Arizona) und Susan Collins (Maine) sprachen sich nun zwei von ihnen für Kavanaughs Bestätigung aus. Er habe zwar Bedenken wegen der Anschuldigungen gegen Kavanaugh und dessen Verhalten während der Anhörung des Justizausschusses, sagte Manchin. Er tue jedoch das, was für seinen Staat West Virginia das Beste sei. Seine Stimme für Kavanaugh dürfte das Nein der republikanischen Senatorin Lisa Murkowski (Alaska) ausgleichen, die als einzige Vertreterin ihrer Partei Kavanaugh nicht unterstützen will. Murkowski sagte, Kavanaugh sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht die richtige Besetzung für den Richterposten. Im Falle einer Stimmengleichheit von 50 zu 50 entscheidet Vizepräsident Mike Pence.

Senatorin Collins begründete ihre Entscheidung damit, dass für Kavanaugh die Unschuldsvermutung gelte. Die Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen ihn seien nicht bewiesen. "Wir sind auf lange Sicht schlecht beraten, wenn wir die Unschuldsvermutung und Fairness abschaffen, auch wenn es verlockend klingt." Mit Blick auf die Vorwürfe sagte sie: "Wir müssen uns immer daran erinnern, dass Fairness am meisten gefährdet ist, wenn Leidenschaften am stärksten entflammt sind." Fords Anschuldigungen, Kavanaugh habe als 17-Jähriger versucht, sie zu vergewaltigen, seien ernst und schmerzhaft gewesen, sagte Collins. Zugleich hätten die von Ford genannten Zeugen des mutmaßlichen Ereignisses die Vorwürfe nicht gegenüber dem FBI bestätigt. "Ich glaube nicht, dass die Vorwürfe Richter Kavanaugh davon abhalten, dem Gericht zu dienen", sagte Collins.

Der Supreme Court als oberstes US-Gericht hat in den USA eine hohe politische Bedeutung. Mit der Berufung Kavanaughs als Richter auf Lebenszeit könnte der Gerichtshof auf Jahrzehnte erzkonservativ geprägt werden. Er ist zuständig für wichtige gesellschaftspolitische Entscheidungen, etwa zur Abtreibung oder zur Frage des Waffenbesitzes. Entsprechend umstritten war der Nominierungsprozess.

Mehrere Frauen werfen Kavanaugh sexuelle Übergriffe während seiner Schul- und Studienzeit vor, darunter die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford. Kavanaugh jedoch bestreitet die Anschuldigungen vehement. Das Nominierungsverfahren war zuletzt unterbrochen worden, um der Bundespolizei FBI die Möglichkeit zu geben, die Vorwürfe zu überprüfen. Der FBI-Bericht wurde am Donnerstag den Senatoren zur Prüfung vorgelegt. Veröffentlicht wurde er nicht.