Die türkische Armee hat im Norden Syriens Stellungen der kurdischen Miliz YPG angegriffen. Wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, seien Ziele in der Region Kobane beschossen worden, um Terrorangriffe zu verhindern. Nahe der Grenzstadt Dscharabulus wurden demnach Unterstände und Schützengräben zerstört.

Die YPG hatte Kobane im Januar 2015 von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) eingenommen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte wiederholt angekündigt, Kobane und weitere Orte in der Nähe der türkischen Grenze "von Terroristen zu säubern". Die Regierung in Ankara sieht in der Miliz einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die als Terrororganisation eingestuft ist. Sie will sie von ihrer Grenze vertreiben, auch weil sie die Entstehung eines eigenständigen kurdischen Staates befürchtet. Die USA hingegen unterstützen die Miliz im Kampf gegen die Dschihadisten in Syrien.

Seit 2016 hat die türkische Armee in Nordsyrien westlich des Euphrats zwei Offensiven geführt, um zu verhindern, dass die YPG-Miliz ein zusammenhängendes Gebiet nahe der Grenze kontrolliert. Eine weitere türkische Militäroffensive östlich des Flusses könnte das Verhältnis zum Nato-Partner USA weiter verschlechtern.

Der Angriff fand einen Tag nach einem Vierertreffen in Istanbul statt. Dabei hatte Erdoğan mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron Grundsätze eines Friedensprozesses in Syrien vereinbart. Sie sprachen sich unter anderem für die "Souveränität, Unabhängigkeit, Einheit und territoriale Unversehrtheit" in dem Bürgerkriegsland aus. Zudem einigten sie sich darauf, dass der Konflikt nicht militärisch gelöst werden könne, sondern nur "durch Verhandlungen im Rahmen eines politischen Prozesses".

Außerdem forderten sie die Bildung eines Verfassungskomitees noch vor dem Jahresende. Laut einer Stellungnahme soll dieses die Verfassungsreform umsetzen und damit "den Weg für freie und faire Wahlen unter Aufsicht der Vereinten Nationen ebnen".