Die türkische Regierungspartei AKP hat die Tötung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat seines Landes als einen "sehr komplizierten Mord" bezeichnet, der "auf blutrünstige Weise geplant" worden sei. AKP-Sprecher Ömer Çelik sprach zudem von "beachtlichen Bemühungen, dies zu vertuschen". Details zu Ermittlungen werde er jedoch nicht bekannt geben, bevor die Staatsanwaltschaft dazu Stellung genommen habe, sagte Çelik. 

Er hoffe, dass das Verbrechen komplett aufgeklärt und alle Verantwortlichen ihrer Strafe zugeführt würden, sagte Çelik. Die Türkei sehe sich in der Verantwortung, die Wahrheit über den Fall an den Tag zu bringen. Für Dienstag hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan eine Erklärung zu den Umständen von Khashoggis Tod angekündigt.

Khashoggi war am 2. Oktober bei einem Besuch des Konsulats verschwunden. Saudi-Arabien wies wochenlang den Verdacht zurück, der regierungskritische Journalist sei dort getötet worden. Am Wochenende teilte die Führung in Riad aber mit, dass Khashoggi während des Besuchs bei einer "Schlägerei" getötet worden sei. Weltweit stieß diese Darstellung jedoch auf Skepsis.

So hält US-Präsident Donald Trump die offizielle Erklärung Saudi-Arabiens für nicht ausreichend. "Ich bin nicht zufrieden mit dem, was ich gehört habe", sagte Trump vor einer Wahlkampfreise nach Texas. "Wir werden der Sache auf den Grund gehen." Trump lehnte es jedoch erneut ab, wegen Khashoggis Tod Geschäfte abzusagen. Er wolle saudische Investitionen in den USA nicht verlieren, sagte er. Saudi-Arabien ist ein wichtiger Verbündeter der USA im Mittleren Osten.

Auswärtiges Amt in Berlin bittet Botschafter um Unterredung

Türkische Medien berichteten unter Berufung auf die Polizei, dass Khashoggi gefoltert und ermordet worden sei. Allerdings sind viele Fragen zu dem Fall bisher ungeklärt, etwa der Verbleib der Leiche. Darüber wisse die saudi-arabische Führung nichts, sagte Außenminister Adel al-Dschubair dem US-Sender Fox News. Ebenso wenig kenne sie die Details, wie Khashoggi zu Tode kam. Sein Land sei aber "entschlossen, jeden Stein umzudrehen".

Das Auswärtige Amt in Berlin hat als Konsequenz aus dem unaufgeklärten Fall den Botschafter Saudi-Arabiens zu einem Gespräch ins Ministerium gebeten. Die Unterredung sei "zeitnah angedacht", sagte eine Außenamtssprecherin. Dabei solle dem Botschafter die deutsche Position zu dem Fall dargelegt werden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Wochenende gesagt, dass bis zur Aufklärung des Falls keine Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien mehr genehmigt werden würden.