Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan fordert nach seinem Staatsbesuch in Deutschland die Auslieferung von 136 Menschen. Erdoğan bezeichnete diese als Terroristen. Man habe der deutschen Regierung eine entsprechende Namensliste übergeben, sagte er laut der Zeitung Hürriyet.

Zeitgleich mit seinem Besuch in Deutschland war am vergangenen Freitag bekannt geworden, dass Erdoğan eine Liste mit Namen von 69 Gesuchten übergeben hatte. Darunter waren mutmaßliche Beteiligte am Putschversuch im Juli 2016 sowie der türkische Journalist Can Dündar, der für die ZEIT eine Kolumne schreibt. Dies hatte in Deutschland für Empörung gesorgt.

Erdoğan war Samstagabend aus Deutschland nach Ankara zurückgeflogen. Natürlich gebe es weiter Probleme, sagte er nach seinem Besuch. "Ich kann nicht sagen, dass wir alle überwunden haben." Es sei zum Beispiel nicht nachvollziehbar, warum Deutschland trotz Beweisen Mitglieder der Gülen-Bewegung und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nicht ausliefere. Erdoğan macht den Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch von 2016 verantwortlich.

Besuch von Merkel angekündigt

Für das kommende Jahr hat Erdoğan Türkei-Besuche von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angekündigt. Auf dem Rückflug von seinem ersten Staatsbesuch in Deutschland sagte er vor türkischen Journalisten, man sei übereingekommen, einander öfter zu besuchen: "So Gott will werden wir (...) sie 2019 in der Türkei empfangen."

Erdoğan sagte weiter, er sei in Deutschland sehr freundlich empfangen worden. "Die Gastfreundschaft von Herrn Steinmeier und Frau Merkel war wirklich sehr erfreulich." Er kam aber auch auf seinen emotionalen Ausbruch während des Staatsbanketts am Freitag zu sprechen. Da hatte Steinmeier in seiner Tischrede erneut Erdoğans Menschenrechtspolitik kritisiert. Der wiederum reagierte mit Gegenvorwürfen. "In unserem Land laden wir nicht jemanden zum Essen ein und unternehmen dann so etwas", sagte Erdoğan.