Jamal Khashoggi - Erdoğan spricht von geplantem Mord Laut der saudischen Regierung handelt es sich bei der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi um ein Versehen. Der türkische Präsident widerspricht dieser Version. © Foto: Tumay Berkin/Reuters

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan stuft den mutmaßlichen Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi als geplante Tat ein. "Wir haben Hinweise darauf, dass dies keine spontane Tat war", sagte Erdoğan während einer öffentlichen Fraktionssitzung seiner Partei AKP im Parlament. Der türkische Präsident forderte den saudischen König Salman ibn Abdel Asis auf, dass 18 in dem Fall beschuldigte Personen in Istanbul, wo sich die Tat ereignet hat, angeklagt werden müssten.

Die Erklärung Saudi-Arabiens, einige Mitglieder des Geheimdienstes seien für die Tat verantwortlich, reiche nicht aus, sagte Erdoğan. Niemand dürfe davon ausgehen, dass die Ermittlungen in dem Fall abgeschlossen werden könnten, ohne dass alle Fragen beantwortet worden seien. "Wer hat diesen Personen den Befehl erteilt, nach Istanbul zu kommen", fragte der türkische Präsident. Das müsse eindeutig geklärt werden.

Bislang hatten die türkischen Behörden noch keine Stellungnahme zum offiziellen Stand der Ermittlungen abgegeben. Seit dem Verschwinden des Mannes hatten Regierungsmitglieder und Angehörige der Sicherheitskräfte anonym Informationen an türkische und US-Medien weitergegeben, ohne jedoch Beweise vorzulegen. Auch woher die Informationen stammten, blieb unklar.

Nachforschungen in Waldstück bei Istanbul

Der regierungskritische Journalist Khashoggi, der für die Washington Post gearbeitet hatte, war Anfang Oktober verschwunden, nachdem er Hochzeitsunterlagen im saudischen Konsulat in Istanbul abholen wollte. Nachdem Saudi-Arabien wochenlang geleugnet hatte, mit dem Tod des Journalisten etwas zu tun zu haben, gestand die Regierung am Samstag ein, dass Khashoggi im Konsulat getötet worden sei. Nach der offiziellen Darstellung, die von westlichen Politikern und der Türkei als wenig glaubwürdig eingestuft wird, war es zwischen Khashoggi und mehreren Personen zu einer tödlichen Schlägerei gekommen.

Erdoğan lieferte zunächst eine minutiöse Darstellung der Tat aus türkischer Sicht, ab der Minute, in der Khashoggi das Konsulat am 2. Oktober betrat. Demnach sollen bereits am Tag vor dem Verschwinden des Mannes mehrere Männer aus Saudi-Arabien angereist sein. Erdoğan sprach von "drei Teams". Eines habe vor dem mutmaßlichen Mord im Belgrader Wald und im Bezirk Yalova außerhalb Istanbuls "Nachforschungen angestellt". Am Tag des Mordes seien sie dann zwischen 9.50 Uhr und 11 Uhr Ortszeit unabhängig voneinander ins Konsulat gekommen, um sich dort zu treffen.

Türkische Ermittler gehen davon aus, dass Khashoggi von dieser eigens angereisten saudischen Personengruppe im Konsulat gefoltert, ermordet und zerstückelt wurde. Das saudische Königshaus hatte zuletzt eine umfassende Aufklärung angekündigt. Man werde sicherstellen, "dass so etwas nie wieder passieren kann", hatte Außenminister Abdel al-Dschubeir gesagt.