Zwei Jahre ist es nun schon her, seit Amerikas Demokraten gegen den Rechtspopulisten Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl verloren haben. Schlimm genug für die Demokraten, doch was für sie heute noch schwerer wiegt: Sie haben sich von dieser Niederlage nicht erholt. Im Gegenteil: Ausgerechnet jetzt, kurz vor den Zwischenwahlen um den Kongress am 6. November, steckt die Partei in einer tiefen Identitätskrise.

Kaum jemand hat das so deutlich gemacht wie Hillary Clinton, als sie bei einer Konferenz im Mai in Manhattan vom Moderator gefragt wurde, ob ihr Bekenntnis zum Kapitalismus ihrem Wahlkampf 2016 geschadet hätte. "Vermutlich", antwortete sie spürbar angesäuert, schließlich seien mittlerweile "41 Prozent der Demokraten Sozialisten oder selbsternannte Sozialisten". Clinton beschwerte sich anschließend, dass sich die Wähler nicht gründlich mit ihrem Programm auseinandergesetzt hätten. Und sie stellte fest, dass die "Reputation des Kapitalismus bei jungen Leuten in Scherben" liege.

Nun spielt Clinton seit ihrer Niederlage gegen Trump keine allzu große Rolle mehr in der Partei. Doch ihre Aussagen, irgendwo zwischen Selbstmitleid und Ratlosigkeit, haben das fortwährende Problem der Demokraten präzise verdichtet. 

Mehr Image- als Inhaltsproblem?

Einerseits gibt es eine große Sehnsucht nach Neuausrichtung, das zeigen nicht nur jene Umfragen, in denen zunehmend mehr US-Amerikaner "Sozialismus" (oder zumindest echte Sozialdemokratie) fordern. Auch die zahlreichen Erfolge linker Jungpolitiker im ganzen Land sind ein Anzeichen dafür.

Andererseits sind noch immer viele wichtige Figuren, Bündnisse und Thinktanks der gleichen Meinung wie Clinton, und zwar, dass die Partei mehr ein Image- und weniger ein Inhaltsproblem habe. Das Zentrum, zu dem beispielsweise die Fraktionschefs Charles Schumer und Nancy Pelosi sowie der einflussreiche Abgeordnete Steny Hoyer gehören, versucht die Kräfte zusammenzuhalten, die nach links fliehen. Und wenn das Zentrum Wahlen verliert, so wie Clinton in 2016, geben sie eben diesen Fliehkräften die Schuld.

Die Demokraten stehen also vor der Frage, was für eine Partei sie sein möchten. Und damit verbunden: wie sie Trump besiegen können. Der Präsident mäandert von Skandal zu Skandal, der Druck auf ihn wächst, und auch die Republikanische Partei glänzt nicht mit Ideen oder Einheit. Trotzdem wirkt es, als könnten die Demokraten das Momentum nicht wirklich nutzen. Dafür fehlt der Partei eine verbindende Vision.

Nun stehen die Zwischenwahlen an. Die Demokraten versuchen am 6. November in mindestens einer der beiden Kammern des Kongresses die Mehrheit zurückzugewinnen. Sollte das nicht gelingen, setzt sich ihre realpolitische Impotenz fort. Senator Bernie Sanders spricht deshalb von den "wichtigsten Midterms in der modernen Geschichte des Landes". Ihm hat niemand widersprochen.