Bei der Fahndung nach dem Absender der mutmaßlichen Briefbomben in den USA hat es eine Festnahme gegeben. Das teilte das US-Justizministerium mit, ohne weitere Angaben zu machen.

Die Washington Post, New York Times und CNN berichteten, bei dem Festgenommenen handle es sich um einen 56-jährigen Mann aus der Gegend von Miami, der viele Vorstrafen habe. 2002 sei er etwa wegen einer Bombendrohung festgenommen worden. Auch sei er wegen Diebstahl, Betrug und Drogendelikten belangt worden. Nach Angaben der New York Times ist der Festgenommene als republikanischer Wähler registriert. 

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo sagte dem Sender MSNBC, dass der Täter wohl alleine handelte. "Eine Einzelperson kann eine Gesellschaft vergleichsweise leicht stören." Anleitungen zum Bau von Bomben gebe es im Internet und auch die benötigten Sprengstoffe seien leicht zu beschaffen.

Den Täter bezeichnete Cuomo als "Symptom, nicht die Krankheit" und als "Verletzung am Körper, nicht das Virus". An der Stimmung in den USA und der gespaltenen Gesellschaft seien Politiker wie Präsident Donald Trump schuld, aber auch die Amerikaner selbst. "Wenn wir diesen Politikwahn, diese Glut, den Groll oder Hass nicht stoppen, werden wir ihn wieder erleben", sagte Cuomo. Die Amerikaner hätten gelernt, sensibler mit sexuellen Übergriffen und Rassismus umzugehen, dasselbe müsse nun auf politischer Ebene geschehen.

Bei den Bomben handelt es sich laut Cuomo nicht um Fälschungen. Allerdings seien sie nicht besonders anspruchsvoll gebaut worden. Es sei unklar, ob bei dem Versand absichtlich niemand verletzt wurde oder ob hier ein Amateur zugange war. "Ich wäre nicht überrascht, wenn es weitere Päckchen gibt", sagte der Gouverneur. Die Ermittlungen seien "sehr schwierig" gewesen. Die Postdienste müssten Sendungen künftig genauer durchleuchten.

Weitere verdächtige Umschläge entdeckt

Kurz vor der Festnahme war in Florida am Freitag eine weitere mutmaßliche Briefbombe entdeckt worden. Nach Angaben der Bundespolizei FBI war sie an den demokratischen Senator Cory Booker aus New Jersey gerichtet und ähnelte den vorherigen verdächtigen Briefen. Wie die New York Times und CNN berichteten, wurde zudem eine Briefbombe entdeckt, die an die CNN-Adresse von Ex-Geheimdienstdirektor James Clapper gerichtet gewesen sein soll. Sie ähnele der Rohrbombe, die an den früheren CIA-Chef John O. Brennan adressiert war und am Mittwoch gefunden wurde, hieß es.

Damit wurden inzwischen insgesamt zwölf potenziell gefährliche Sendungen entdeckt. Nach FBI-Angaben bleibt es möglich, dass weitere Sendungen verschickt wurden. Es seien "einige" Briefe im US-Postsystem unterwegs gewesen. Verletzt wurde niemand. Zumindest in einigen der Briefsendungen befanden sich Plastikrohre mit Schwarzpulver und Zünder. Das FBI geht bisher davon aus, dass sie hätten explodieren können.

Trump: Republikaner sollen trotz "Bombenzeugs" wählen

Die Briefbomben waren alle an Gegner von US-Präsident Donald Trump adressiert. Dieser hat die Medien immer wieder für das "hasserfüllte Klima" im Land verantwortlich gemacht. Allerdings werfen zahlreiche Kritiker Trump vor, selbst mit einer aggressiven Rhetorik das politische Klima zu vergiften und die Spaltung in der US-Gesellschaft zu vertiefen.

Nach der Festnahme nannte Trump die Briefbomben vor Anhängern eine abscheuliche Tat. Politische Gewalt dürfe sich in den USA nicht festsetzen, er werde alles dafür tun, sie zu beenden. Trump gratulierte den Ermittlungsbehörden zu ihrem schnellen Fahndungserfolg. Die US-Amerikaner rief er zur Einigung auf.  

Zuvor hatte er die Bombenfunde noch in einem Tweet erwähnt, in dem er die Republikaner zur Stimmabgabe bei den Kongresswahlen in zwei Wochen aufrief. Die Republikaner stünden so gut in den Umfragen da, und nun passiere dieses "Bombenzeug", schrieb der US-Präsident. Das verlangsame das "Momentum" der Republikaner und sei unglücklich.

Der demokratische Ex-Vizepräsident Joe Biden rief zu mehr Sachlichkeit in der politischen Debatte auf und warnte vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft. "Ich hoffe und bete, dass all unsere Führungspersönlichkeiten daran arbeiten, unseren öffentlichen Dialog weniger hitzig zu führen", sagte Biden nach Angaben des Sender NBC. Trumps Namen erwähnte Biden in diesem Zusammenhang nicht, stellte sich aber inhaltlich gegen dessen Aussagen. "Meine Damen und Herren, die Presse ist nicht der Feind des Volkes."

Biden war einer der Adressaten der mutmaßlichen Sprengsätze. Neben ihm und dem früheren Geheimdienstdirektor Brennan wurden unter anderem auch an den früheren Präsidenten Barack Obama, die einstige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und Hollywoodstar Robert de Niro verdächtige Sendungen gerichtet.