Wie man es dreht und wendet, die Ernennung des konservativen Juristen Brett Kavanaugh zum Obersten Richter der Vereinigten Staaten ist auch eine Demonstration und Verteidigung konservativer weißer männlicher Dominanz. Eine Macht, die ebenso von etlichen konservativen weißen Frauen nach Kräften gestützt wird.

Im Supreme Court der USA sitzen neun Richter, sechs Männer und gerade einmal drei Frauen. Sieben der neun sind sogenannte weiße Angelsachsen, einer ist schwarz, eine Richterin ist eine Latina. Präsident Donald Trump konnte bereits zwei Richter ernennen, er wählte beide Male einen konservativen weißen Mann, erst Neil Gorsuch, nun Brett Kavanaugh. 

Die Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford beschuldigte Kavanaugh eines Vergewaltigungsversuchs, der vor 36 Jahren geschehen sein soll, als beide noch Schüler waren. Zweifelsfrei bewiesen werden konnte diese Tat nicht, abgesehen davon, dass sie längst verjährt ist. Brett Kavanaugh hat darum als unschuldig zu gelten – und wer unschuldig ist, muss grundsätzlich auch Richter werden dürfen.

Doch ein straffreies Leben ist dafür nicht die einzige Voraussetzung. Die Bewerber müssen für das Amt am obersten Gericht "geeignet" sein. Das heißt zum Beispiel: Sie müssen ihren Beruf allein nach Recht und Gesetz, also unparteiisch ausüben.

Einem Afroamerikaner hätte man das nicht durchgehen lassen

Seine Anhörung vor dem Justizausschuss des US-Senats aber säte Zweifel an dieser Unvoreingenommenheit. Kavanaugh trat selbstgerecht und absolut parteiisch auf. Mit kaum einem Wort ging der Richter auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ein.

Während sich sein mutmaßliches Opfer vor dem Ausschuss zurückhaltend, nüchtern und fast scheu äußerte (alles andere wäre ihr auch sofort zum Nachteil ausgelegt worden), blies Kavanaugh patzig zum Angriff und schlug zur Freude von Präsident Trump und vielen Republikanern zornig auf die ihn befragenden demokratischen Senatoren ein. Er tat so, als ginge es hier nicht um die Aufklärung eines möglichen Verbrechens, sondern um miese Tricks der Demokraten und allein um einen politischen Kampf.

Man muss sich nur einmal vorstellen, der Richterkandidat Brett Kavanaugh wäre ein Afroamerikaner, ein Latino oder eine Frau gewesen – niemand von ihnen wäre nach dieser Vorstellung noch oberster Richter geworden. Ihnen hätten die weißen männlichen konservativen Senatoren ein solches unbeherrschtes Verhalten zur Last gelegt. Doch Kavanaughs Ausfälle, seine Erregung und sein hochroter Kopf – all das war in den Augen dieser Senatoren offenbar ein Zeichen besonderer Glaubwürdigkeit.

Und Trump setzte noch eins obendrauf. Kaum hatte Kavanaugh gesprochen, machte er sich auf offener Bühne über Christine Blasey Ford lustig und zog sie auf geradezu menschenverachtende Weise durch den Dreck.

Ausfallend und wütend darf in dieser Welt konservativer weißer Männer nur der weiße Mann sein. Ich erinnere mich noch lebhaft an den Wahlkampf 2008. Damals wurde dem afroamerikanischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama vorgeworfen, mit einem schwarzen Pastor befreundet zu sein, der auf der Kanzel seinem Frust über Amerika empört freien Lauf ließ. Und in der Tat wählte besagter Pastor mitunter ziemlich grobe und unziemliche Worte.

Obama geriet deshalb in Bedrängnis und hielt – als Antwort auf die harsche Kritik vornehmlich weißer Amerikaner – eine beeindruckende Rede zur Rassenfrage und distanzierte sich vom Pastor.