Wegen seiner früheren Atomtests im Südpazifik ist Frankreich vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verklagt worden. "Das sind wir all den Menschen schuldig, die als Folge des Atomkolonialismus gestorben sind", sagte der polynesische Unabhängigkeitsaktivist Oscar Temaru in New York. Temaru vertritt eine Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten aus dem Südpazifikraum, die Frankreich aufgrund der durchgeführten Atomtests in der Region Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorwerfen.

Mit der bereits am 2. Oktober in Den Haag eingereichten Klage sollten alle noch lebenden französischen Präsidenten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte der frühere Präsident von Französisch-Polynesien. "Für uns sind die französischen Atomversuche die direkte Folge einer Kolonialisierung. Anders als von Frankreich behauptet, haben wir nicht akzeptiert, dass die Tests bei uns vorgenommen werden. Sie wurden uns mit der Drohung der Einrichtung einer Militärregierung aufgedrängt." Die Anklage richtet sich gegen die ehemaligen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing sowie Jacques Chirac. Das Programm stellte Frankreich 1996 ein, nachdem Umweltaktivisten jahrelang dagegen protestiert hatten.

Frankreich hatte zwischen 1966 und 1996 auf dem Mururoa-Atoll und dem Fangataufa-Atoll in Französisch-Polynesien 193 Atomwaffentests unternommen. Zahlreiche Krebserkrankungen in der Region werden mit den umstrittenen Tests in Verbindung gebracht. 2010 wurde per Gesetz ein Mechanismus für Entschädigungen eingerichtet. Opferverbänden geht das aber nicht weit genug.