China und Japan wollen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit deutlich ausbauen. Beim ersten bilateralen Besuch des japanischen Ministerpräsidenten Shinzō Abe in Peking unterzeichneten beide Seiten eine Reihe von Kooperationsabkommen. Zum Abschluss empfing Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping den japanischen Premier.

"Heute ist der Sonnenaufgang einer neuen japanisch-chinesischen Zusammenarbeit", sagte Abe. Er wolle eine "neue Phase" in den Beziehungen beginnen und "von Wettbewerb zu Zusammenarbeit" wechseln. Es solle neue Möglichkeiten zur Kooperation etwa bei Infrastruktur, Logistik, Gesundheit und Finanzdienstleistungen geben. Abe lud Präsident Xi zu einem Gegenbesuch in Tokio ein.

Beim Thema Nordkorea kündigte Abe eine engere Zusammenarbeit an. Beide Länder hätten eine Verantwortung, die Sicherheit in der Region zu gewährleisten. Eine neue Zusammenarbeit in Such- und Rettungsaktionen bei Seezwischenfällen soll angesichts der Territorialstreitigkeiten im Ostchinesischen Meer Vertrauen schaffen. Die Inselgruppe der Senkaku- beziehungsweise Diaoyu-Inseln wird von Japan verwaltet, aber auch von China beansprucht.

Da die politischen Beziehungen nach jahrelangen Spannungen "wieder auf den normalen Weg zurückgekehrt" seien, sollte besonders auch in Wirtschaft und Handel "eine neue Phase" der Kooperation eingeläutet werden, sagte der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang nach den Gesprächen mit Abe.

Mehr als 50 Infrastrukturprojekte

Als Zeichen der Annäherung vereinbarten die Zentralbanken beider Länder, ein 2012 ausgesetztes  Währungstauschgeschäft wieder aufzunehmen. Es soll im Krisenfall die Finanzstabilität sichern, indem sich beide Länder gegenseitig Yuan und Yen leihen. Die Vereinbarung hat ein Volumen von umgerechnet bis zu 30 Milliarden US-Dollar.

China und Japan unterzeichneten Abkommen für mehr als 50 Infrastrukturprojekte. Darunter ist etwa eine Investition in eine Windanlage vor der deutschen Küste, die mit der staatlichen chinesischen CITIC-Gruppe entwickelt wird. Weitere Projekte sind ein Stadtentwicklungsvorhaben in Thailand und eine Kooperation zwischen Chinas Entwicklungsbank und Japans Bank für Internationale Kooperation, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtet.

China hofft darauf, dass sich Japan an seiner Initiative für eine "Neue Seidenstraße" beteiligt. Im Rahmen des Projekts sollen neue Wirtschaftskorridore von China nach Südostasien, Europa und Afrika geschaffen werden. Abe betonte die Notwendigkeit, "internationale Standards" zu befolgen. Die Infrastrukturprojekte müssten offen, transparent und wirtschaftlich vernünftig sein. Auch müsse die finanzielle Situation der Länder in Betracht gezogen werden.

Die Reise war der erste bilaterale Besuch eines japanischen Ministerpräsidenten in Peking seit sieben Jahren. Abes rechtskonservative Politik hatte das Verhältnis, das durch Japans Rolle im Zweiten Weltkrieg belastet ist, weiter abkühlen lassen. Auch der Territorialstreit im Ostchinesischen Meer sorgte immer wieder für Spannungen. Der Handelsstreit der USA mit China lässt die Staaten aber wieder näher zusammenrücken.