Bis zum Jahr 2021 will Angela Merkel Bundeskanzlerin bleiben. So hat sie es gesagt, als sie ihren Verzicht auf den CDU-Vorsitz ankündigte. Aber wer glaubt daran? Ihr Vorgänger im Amt des Regierungschefs jedenfalls nicht.

"Mit der Wahl von Friedrich Merz zum CDU-Vorsitzenden, von der ich ausgehe, ist das Ende der Regierung von Angela Merkel eingeleitet", sagte Gerhard Schröder am Montagabend bei einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Eine Ämtertrennung zwischen Parteivorsitz und Regierungsführung kann sich Schröder nur vorstellen, wenn der Parteichef "bis auf die Knochen loyal" ist – so, wie es Franz Müntefering bei ihm gewesen sei.

Aber Merkel und Merz? "Wir werden im nächsten Jahr Neuwahlen haben", sagte Gerhard Schröder voraus. Denn einen Kanzler Merz werde die SPD nicht mittragen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Partei alles aushalten kann."

Schröders Prognose mag von parteipolitischen Interessen und unfrohen Erinnerungen an den eigenen Machtverlust geprägt sein. Aber auch von außen, von jenseits der Grenzen Deutschlands aus betrachtet, zerrinnt Angela Merkel die Macht zwischen den Fingern.

13 Jahre deutsche Außenpolitik mit Merkel

Noch übt sie ihr Amt aus wie immer. Afrika-Gipfel in Berlin, Reise in die Ukraine, Regierungskonsultationen in Warschau – kein Termin, so scheint es, wurde bisher aus ihrem Kalender gestrichen. Und doch, die internationale Presse verfasst bereits politische Nachrufe auf die deutsche Regierungschefin.

"Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um auf eine der bemerkenswertesten Führungspersönlichkeiten unserer Zeit zurückzublicken", schrieb die New York Times.  Ihr Rücktritt sei "eine schlechte Nachricht für die Europäische Union", bedauert die spanische Zeitung El Mundo. Und der italienische Corriere della Sera kam zu dem Schluss: "Wir werden Angela Merkel nachtrauern."

Man hängt an dem Gewohnten, auch in der Politik. Nach 13 Jahren kann man sich eine deutsche Außenpolitik ohne Merkel kaum noch vorstellen. Sie hatte es mit drei amerikanischen Präsidenten zu tun, mit vier britischen Premierministern und vier französischen Präsidenten. Aber es ist nicht die schiere Amtsdauer, die ihr den Respekt ihrer Kollegen eintrug. Es ist die Art und Weise, wie sie die Macht ihres Amtes und die Stärke ihres Landes einsetzte.