Ob nun die "Showpolitik" die klassische Politik ablöse, fragt eine andere junge Frau, nicht auf Deutschland bezogen, sondern generell. "Ich hoffe nicht", ruft Merkel. Es gehe aber gar nicht um Show oder Nichtshow, fährt die Kanzlerin fort, sondern um "Wahrheit oder Nichtwahrheit". Denn Wahrheit gebe es und man dürfe Menschen "nicht irreführen". Die Herausforderung durch populistische Verführer und Scheinvereinfacher sei daher eine der größten.

"Es hat mich gefreut", sagt sie zum Abschied, "es war eine hocheffiziente Veranstaltung" – mehr Lob von der Kanzlerin ist kaum denkbar.

Was wird bleiben von ihrer Kanzlerschaft, wenn sie – vielleicht schon mit dem Ende des Jahres – endet? So denke sie nicht, hat Merkel zu solchen Fragen immer gesagt. Sie unterscheidet zwischen Fragen, die sie beeinflussen kann und solchen, die außerhalb ihrer Reichweite liegen. Am Beispiel Ukraine zeigt sich wie sonst kaum, wie schwierig das in der Politik und zumal Außenpolitik ist: Es ist mühsam, der große, strahlende Erfolg ist nicht zu erwarten, weder auf dieser Reise noch beim nächsten Telefonat. Alles ist zäh, anstrengend, das Meiste bleibt vorläufig. Und die Umstände, unter denen man arbeitet, ändern sich ständig. Merkel macht trotzdem weiter, dabei erstaunlich gut gelaunt. Zwischendurch ist sogar gelegentlich das Merkelkicherm zu hören, das immer dann aus ihr dringt, wenn sie über die Absurditäten räsoniert, die die Politik so produziert.

Es bleibe genug Zeit für Nachrufe

Ein bisschen ist es so wie in der großen Koalition: Man muss ständig kämpfen, um noch Schlimmeres zu verhindern. Viel Zeit hat Merkel nicht mehr, um Ergebnisse zu erzielen. Die sehr gute Wirtschaftsbilanz, die niedrige Arbeitslosigkeit, die kann ihr niemand mehr nehmen. Nur haben sich die Deutschen immer mehr gegen diese Erfolge abgeschirmt, je besser die Zahlen wurden. Und auch gegen die Vorstellung, dass es da einen Zusammenhang geben könnte zwischen Politik und Lage des Landes. Außer wenn etwas nicht so gut läuft. Dann waren die da oben mal wieder unfähig.

Gibt es in der Politik überhaupt so etwas wie Ergebnisse? Kaum, weil Politik ja ein Prozess ist, der immer weitergeht. Deshalb kann man nie sagen, ob alles besser gelaufen wäre, wenn man es anders gemacht hätte: der Ukraine Waffen gegeben, in Syrien früher interveniert oder früher oder ganz zurückgetreten, auch als Kanzlerin. Die Ergebnisse, so sieht es Merkel, bleiben immer endlich genug, dass ein anderer oder eine andere noch genug zu tun haben wird. Aber damit möchte sich Merkel gar nicht beschäftigen. Es werde schon noch genug Zeit für Nachrufe sein, vertröstet sie die mitreisenden Journalisten. Sie hat noch zu arbeiten.