Alle Welt blickt mit Spannung auf das Ergebnis der Zwischenwahlen in Amerika, teils bangend, teils hoffend. Dies ist in Seoul nicht anders als in Berlin, Brüssel oder Peking. Beim Deutsch-Koreanischen Forum, das Ende Oktober in Daejeon stattfand, überlagerte eine Frage die Tagesordnung wie auch die Unterhaltung in den Sitzungspausen: Wie geht es weiter in den Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea und den parallel geführten innerkoreanischen Gesprächen?

Vor einem Jahr drohte der US-Präsident Donald Trump Nordkorea "Feuer und Zorn" und "totale Vernichtung" an. Beobachter erwarteten, dass er nach den Olympischen Winterspielen einen Militärschlag anordnen werde. Die unerwartete Entspannung zwischen den beiden Koreas vor und während der Spiele, in denen die Sportler der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geteilten Nation gemeinsam antraten, nötigte den Präsidenten jedoch, zunächst einmal abzuwarten. Dann nahm er überraschend und gegen den Rat engster Mitarbeiter die Einladung des nordkoreanischen Jungdiktators Kim Jong Un zu einem Gipfeltreffen an.

In Singapur verabredeten die beiden im Juni amerikanische "Sicherheitsgarantien für die Demokratische Volksrepublik" gegen eine "komplette Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel". Hingerissen von dem "talentierten und ebenbürtigen Verhandler Kim" – "we fell in love" – twitterte Trump danach: "There is no more a nuclear threat from North Korea" . Eine atomare Bedrohung aus Nordkorea gebe es nicht mehr.

Die Vorstellungen der "neuen Zukunft" gehen auseinander

In den seither geführten Verhandlungen wurde allerdings bald klar, dass die Regierungen in Washington und Pjöngjang sehr verschiedene Vorstellungen von der beiderseits angestrebten "neuen Zukunft" haben.

Die Gespräche fraßen sich fest an entscheidenden ungeklärten Details. Was sind "gleichwertige Abrüstungsschritte"? Müssen die Amerikaner, die noch immer fast 30.000 Soldaten in Südkorea stationiert haben, ihre Atomwaffen von dort abziehen, wenn Kim auf die seinen verzichtet? Unterwirft sich der Nordkoreaner tatsächlich strengster internationaler Überwachung? Und in welchem Zeitraum soll die Atomabrüstung bewerkstelligt werden?

Die Amerikaner drängten in den Verhandlungen auf einen sofortigen Beginn der nuklearen Abrüstung. Die Nordkoreaner wollten zunächst konkrete US-Vorschläge zu Sicherheitsgarantien, zur Aufhebung des Sanktionsregimes und zur Beendigung des Kriegszustandes durch Abschluss eines Friedensvertrages sehen. Mehrfach verhandelte US-Außenminister Mike Pompeo in Pjöngjang, doch brachte er vor den Kongresswahlen keine Einigung mehr zustande. Genervt warnten die Nordkoreaner, eine Verbesserung der Beziehungen sei mit der Aufrechterhaltung der Sanktionen nicht vereinbar. Ihr Kurswechsel in der Atompolitik könne durchaus überdacht werden.

Der südkoreanische Präsident Moon Jae In hat sich mittlerweile dreimal mit Kim Jong Un getroffen. Von der letzten Begegnung brachte er Nachrichten mit, die Trump eine "aufregende Entwicklung" nannte: Kim wolle die Entnuklearisierung bis Januar 2021 vollständig abgeschlossen haben – also genau bis zum Ende von Donald Trumps erster Amtszeit. Dies setzt freilich voraus, dass sich auch der US-Präsident endlich bewegt, vor allem bei den Sanktionen.