Bis Ende des Monats will sich Großbritannien mit der EU auf die endgültigen Bedingungen des Brexit verständigen. Mehr als 70 Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter fordern nun, das Ergebnis dieser Verhandlungen in einer Volksabstimmung bestätigen zu lassen. Das Land stehe entweder vor "einem blinden oder einem destruktiven harten Brexit", schrieben sie laut der britischen Sunday Times in einem offenen Brief. Deshalb müsse ein zweites Referendum stattfinden.

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner wiesen vor allem auf mögliche wirtschaftliche Konsequenzen für Großbritannien hin. "Den Unternehmern wurde versprochen, dass trotz eines Brexit weiterhin ein reibungsloser Handel mit der EU möglich sei", schrieben die Wirtschaftsvertreter weiter. Doch das, was Premierministerin Theresa May bislang mit der EU verhandelt habe, sei lange nicht so gut wie die derzeitigen Wirtschaftsbeziehungen innerhalb der EU.

Um Druck auf die Regierung auszuüben, haben die Unterzeichner deshalb die Gruppe Business for a People's Vote gegründet. Zu ihr gehören unter anderem der ehemalige Chef der Supermarktkette Sainsbury's, Justin King, und der Leiter des Zulieferers für Autoteile Unipart, John Neill.

Britische Regierung lehnt zweites Referendum ab

Ein unüberlegter Brexit würde die Investitionen weiter herabsetzen, warnen die Mitglieder der Gruppe. Auch das werde "schlecht für die Wirtschaft und schlecht für die arbeitende Bevölkerung sein", heißt es dem Bericht zufolge weiter. Deshalb müsse die finale Entscheidung an die Bevölkerung zurückgegeben werden.

Das Brexit-Ministerium Großbritanniens lehnt eine weitere Abstimmung jedoch klar ab. Man sei zuversichtlich, dass gut funktionierende Vereinbarungen für die britischen Unternehmen erzielt werden könnten, sagte ein Sprecher des Ministeriums. "Die Bevölkerung des Vereinigten Königreichs ist bereits bei einer der größten demokratischen Handlungen, die dieses Land je gesehen hat, zu Wort gekommen." Deshalb werde es kein zweites Referendum geben.

Flussdiagramm mit den möglichen Ausgängen der Brexit-Verhandlungen