Nach dem Eklat bei einer Pressekonferenz zwischen US-Präsident Donald Trump und dem CNN-Chefkorrespondenten Jim Acosta werden dem Weißen Haus Lügen vorgeworfen.

Das Präsidialamt hatte dem Reporter bis auf Weiteres die Akkreditierung entzogen. Präsidialamtssprecherin Sarah Sanders begründete das damit, dass Acostas Verhalten "absolut inakzeptabel" sei. Sie warf ihm vor, bei der Pressekonferenz eine junge Frau angefasst zu haben, die lediglich versucht habe, ihrer Arbeit als Praktikantin im Weißen Haus nachzukommen. Zudem habe Acosta andere Journalisten davon abgehalten, Fragen zu stellen.

Sie twitterte ein Video, das "klar dokumentiert", dass Acosta sich unangemessen verhalten habe. Dies werde nicht toleriert. In dem Video wird die umstrittene Szene verlangsamt, der Bildausschnitt verkleinert und in Wiederholungsschleife gezeigt. Nicht zu hören oder zu sehen ist, dass Acosta sich bei der Frau entschuldigt. Das bearbeitete Video wurde zunächst von der rechten Newssite Infowars im Netz verbreitet, die dafür bekannt ist, Falschinformationen zu verbreiten und auf Facebook, Twitter und anderen Plattformen gesperrt ist. 

Im Reuters-Video von dem Vorfall (circa ab Sekunde 15) sieht man, wie Acosta gestikuliert und sich bei der Frau entschuldigt, die ihm das Mikrofon wegnehmen will.

Donald Trump - US-Präsident beschimpft CNN-Reporter

Andere Journalisten, die bei der Pressekonferenz dabei waren, sagten, sie hätten nicht gesehen, dass Acosta die Praktikantin angefasst habe. "Er hielt das Mikrofon fest, als sie danach griff", schrieb etwa der Reuters-Korrespondent Jeff Mason auf Twitter.

"Ein Vorfall, der nie passiert ist"

CNN teilte mit, Sanders habe in ihrer Erklärung gelogen. Ihre Vorwürfe seien arglistig und sie verweise auf einen Vorfall, der nie passiert sei. "Jim Acosta hat unsere volle Unterstützung." Jim Acosta selbst rief auf Twitter dazu auf, den "Lügen des Weißen Hauses" nicht zu glauben. Er verwies auf die in der Verfassung festgeschriebene Pressefreiheit.

Er sei am Abend noch einmal zum Weißen Haus gegangen, doch ein Mitarbeiter des Secret Service habe ihm den Zugang verweigert. Das sei eine ziemlich "surreale Erfahrung" gewesen. "Ich hätte nie gedacht, dass ich in diesem Land nicht in der Lage sein würde, über den Präsidenten der USA zu berichten, nur weil ich versucht habe, eine Frage zu stellen."

Der Nachrichtensender CNN wertete den Entzug der Akkreditierung als Vergeltung für kritische Fragen: "Das ist eine beispiellose Entscheidung, die unsere Demokratie bedroht." Acosta sagte, er glaube, dass die Regierung versuche, die Gruppe der Journalisten, die aus dem Weißen Haus berichten, zum Teil stillzulegen: "Das ist eine Bewährungsprobe für uns alle."

Die Vereinigung der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten veröffentlichte eine Erklärung, in der sie fordert, diese "schwache und fehlgeleitete Entscheidung", Acosta die Akkreditierung zu entziehen, zurückzunehmen. Den Zugang zum Weißen Haus zu widerrufen, stehe in keinem Verhältnis zu dem angeblichen Vergehen und sei nicht akzeptabel, heißt es in der Erklärung.

Nicht der erste Lügenvorwurf ans Weiße Haus

Es ist nicht das erste Mal, dass dem Weißen Haus Lügen vorgeworfen werden. Gleich nach Donald Trumps Amtseinführung im Januar 2017 wurden Bilder und Zahlen verbreitet, die zeigen sollten, dass mehr Zuschauerinnen und Zuschauer gekommen seien als je zuvor. Der damalige Pressesprecher Sean Spicer sagte: "Das war die größte Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat. Punkt."

Zudem wurden Fotos veröffentlicht, von denen der vom Weißen Haus beauftragte Fotograf Medienberichten zufolge später einräumte, dass er sie bearbeitet hatte. Demnach schnitt er die Bilder so zu, dass die Menge geschlossener und größer wirkte als in der Realität. Luftbilder unabhängiger Fotografen zeigten erhebliche Lücken im Zuschauerbereich auf der Washingtoner National Mall, die auf den offiziellen Bildern des Weißen Hauses nicht zu sehen waren. Trump hatte sich über Bilder in den Medien geärgert, die nahelegten, dass die Zuschauermenge bei seiner Amtseinführung kleiner war als bei der Vereidigung seines Amtsvorgängers Barack Obama 2009. Den Medien hatte der US-Präsident damals Falschberichterstattung über die Zuschauerzahl vorgeworfen.

Der Streit um die Zuschaueranzahl war so auch der erste große öffentliche Disput um die Wahrheitstreue des Weißen Hauses – am ersten Arbeitstag der neuen US-Regierung.

Trump legt sich immer wieder mit den Medien an, wenn ihm die Berichterstattung nicht zusagt. Unzählige Male hat er ihnen die Verbreitung von falschen Nachrichten – Fake-News – vorgeworfen. Vor allem etablierte Zeitungen und Fernsehsender hat er wiederholt namentlich kritisiert, darunter CNN. Mit Acosta geriet er wiederholt aneinander. So auch am Mittwoch, Trumps erster Pressekonferenz nach den Kongresswahlen, bei denen die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren hatten, aber ihre Kontrolle über den Senat festigen konnten.

Acosta hatte nach Trumps Behauptung einer "Invasions" gefragt

Acosta hatte den Präsidenten zu dessen Äußerungen über einen Migrantentreck befragt, der derzeit von Mittelamerika auf dem Weg in die USA ist. Trump hatte diesen als "Invasion" bezeichnet und so im Wahlkampf Stimmung gegen Einwanderer gemacht. Acosta sagte, die Migranten seien Hunderte Meilen von der US-Grenze entfernt. Es handle sich um keine Invasion. Trump entgegnete, Acosta solle seinen Job besser machen und ihn, Trump, das Land regieren lassen.

Acosta versuchte, eine weitere Frage zu stellen, doch Trump unterbrach ihn: "Das reicht", sagte er mehrmals. Dann versuchte die Mitarbeiterin des Weißen Hauses, Acosta das Mikrofon abzunehmen, doch dieser weigerte sich, um eine weitere Frage zu stellen, diesmal zu den Russland-Ermittlungen. Trump entfernte sich kurz vom Rednerpult und sagte dann: "Ich sag Ihnen was: CNN sollte sich dafür schämen, dass Sie für sie arbeiten. Sie sind eine unhöfliche und schreckliche Person. Sie sollten nicht für CNN arbeiten."