Endspurt im US-Wahlkampf - «Sie wissen nicht, was sie tun sollen, sie werden bekloppt» US-Präsident Donald Trump attackiert in seinen letzten Auftritten vor den Midterms die Demokraten. Umfragen zufolge droht den Republikanern der Verlust der Mehrheit im Repräsentantenhaus. © Foto: Carlos Barria/Reuters

Kurz vor den Kongresswahlen in den USA absolvieren Präsident Donald Trump und die oppositionellen Demokraten einen Wahlkampfauftritt nach dem anderen. In mehreren Kundgebungen warb Trump bei den sogenannten Midterms um Stimmen für die Kandidatinnen und Kandidaten seiner republikanischen Partei. Während seiner Auftritte pries er die gute wirtschaftliche Lage und machte Stimmung gegen Menschen, die derzeit in Mexiko auf dem Weg in Richtung US-Grenze sind.

In seiner Rede in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee etwa bezeichnete Trump die gen Norden strebenden Gruppen aus Mittelamerika als "eine Invasion" und wies die Kritik an diesem Begriff zurück. Das sei ihm egal, sagte er unter dem Jubel seiner Anhänger. Schließlich rede er doch auch über die gute wirtschaftliche Lage in Amerika, aber das "geht nur für vier oder fünf Minuten", sagte Trump. Danach spreche er "ein paar Probleme" an. "Wenn wir ein Problem lösen oder es gelöst haben, gibt es keinen Grund, 45 Minuten lang darüber zu faseln."

Trump warnte vor einem angeblichen wirtschaftlichen Ruin im Falle eines Wahlsiegs der Demokraten. "Wollt ihr das Ende von Georgias Wohlstand erleben?", fragte er bei einer Kundgebung in Macon in dem US-Bundesstaat. "Dann wählt die Demokraten." Zudem rückte er die Opposition in die Nähe der ultralinken Antifa. Ähnlich viel Applaus bekam er, als er auf die Wirtschaftslage, die geringe Arbeitslosenquote und seine erfolgreichen Nominierungen konservativer Juristen für den Obersten Gerichtshof zu sprechen kam.

Trump hatte für die sechs verbliebenen Tage bis zur den Wahlen am Dienstag insgesamt elf Kundgebungen geplant. Zuletzt will er an diesem Montag in Ohio, Indiana und Missouri auftreten, bevor er dann am Wahltag selbst im Weißen Haus bleiben will, um örtlichen Medien Interviews zu geben. Vor seinen Auftritten am Sonntag sprach er von einem grenzenlosen Enthusiasmus der Menschen. Diese seien außer Rand und Band, "mich erwarten schon gewaltige Menschenmengen". Er "habe noch nie so eine enthusiastische Republikanische Partei gesehen", sagte der Präsident zu Reportern.

Barack Obama warnt vor Angstmache

Allzu große Chancen, dass seine Partei sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus ihre Mehrheit wird halten können, sieht Trump aber offenbar nicht. Zwar glaube er, so sagte er es vor den Auftritten, dass sich die Republikaner im Ringen um Abgeordnetensitze im Unterhaus gut schlagen werden. "Aber, wie Sie wissen, liegt mein Hauptfokus bisher auf dem Senat; ich denke, wir schneiden sehr gut im Senat ab."

Die jüngsten Umfragen stützen diese Sicht: Tatsächlich haben die Senatskandidatinnen und -Kandidaten der Demokraten nur eine geringe Chance, sich bei den insgesamt 35 neu zu vergebenden Sitzen gegen ihre republikanischen Kontrahenten durchzusetzen. Die Mehrheit im Repräsentantenhaus hingegen, bei denen 435 Mandate zur Wahl stehen, könnte die Opposition zurückerobern. Nach der Prognose der Wahlforscher vom Cook Political Report etwa dürfen sie darauf hoffen, zwischen 25 und 40 Sitze hinzuzugewinnen. 

Den Demokraten fällt es derzeit deutlich leichter, Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren – auch dank ihres wohl prominentesten Wahlkämpfers: Trumps Vorgänger im Weißen Haus, Barack Obama, hielt in seiner Heimatstadt Chicago eine Rede, in der er davor warnte, Wahlkampf allein auf den Ängsten der Menschen zu aufbauen. Seiner Partei riet er, sich nicht von Lügen und Panikmache ablenken zu lassen.