US-Präsident Donald Trump hält eine Mitwisserschaft des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman am Mord des Journalisten Jamal Khashoggi für möglich, aber nicht für bewiesen. "Es könnte sehr gut sein, dass der Kronprinz Kenntnis von diesem tragischen Vorfall hatte – vielleicht hatte er das und vielleicht hatte er das nicht!", hieß es in einer Mitteilung Trumps.

Die Untersuchungen der US-Geheimdienste zu dem gewaltsamen Tod Khashoggis im saudischen Konsulat in Istanbul dauern nach Trumps Angaben an. All die Fakten rund um dieses "inakzeptable und fürchterliche Verbrechen" würden jedoch vielleicht niemals ans Licht kommen, heißt es in der Erklärung weiter.

US-Medien hatten zuvor berichtet, der saudische Kronprinz bin Salman habe die Tötung des regimekritischen Journalisten angeordnet. Der US-Geheimdienst CIA komme in seinem Abschlussbericht zu diesem Schluss, berichteten Washington Post und New York Times. Trump hatte danach einen "umfassenden Bericht" zu dem Fall angekündigt. Dann werde man auch wissen, "wer es war", sagte Trump. Weiter sprach der US-Präsident von einer "schrecklichen Sache", die nie hätte passieren dürfen.

In dem jetzt verbreiteten knappen Schreiben aus dem Weißen Haus wird einmal mehr die Rolle Saudi-Arabiens als Verbündeter der USA hervorgehoben: "Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, ein fester Partner Saudi-Arabiens zu bleiben." Das Land sei ein großartiger Verbündeter "in unserem sehr wichtigen Kampf gegen den Iran". Das Königreich habe zudem Milliarden Dollar für den Kampf gegen den "radikalen islamischen Terror" zugesagt.

Saudi-Arabien - Für Donald Trump geht die Wirtschaft vor Saudi-Arabien bleibe trotz der Ermordung von Jamal Khashoggi ein starker Partner der USA, sagt Donald Trump. Deshalb werde man nicht auf Hunderte Milliarden verzichten. © Foto: Leah Millis/Reuters

Auch aus wirtschaftlichen Gründen seien die Beziehungen zu Saudi-Arabien wichtig. Durch die dem Königreich zugesagten Investitionen in den USA in Höhe von 450 Milliarden Dollar (395 Milliarden Euro) würden Hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen, so Trump weiter. Auch habe sich die Führung in Riad sehr kooperativ in den Anstrengungen verhalten, die Ölpreise zu begrenzen.

Es wäre daher töricht, die milliardenschweren Rüstungsgeschäfte mit der Führung in Riad zu beenden, heißt es in der Mitteilung weiter. Davon würden nur Russland und China enorm profitieren. "Das wäre ein wunderbares Geschenk für sie – direkt von den Vereinigten Staaten!"

Die Erklärung aus dem Weißen Haus trägt den Titel America First! (Amerika zuerst) – und sie endet auch mit dem Kernslogan aus Trumps Wahlkampagne. Der Präsident argumentiert, er handele allein und ausschließlich im Interesse der Vereinigten Staaten, indem er an den Beziehungen zu Saudi-Arabien nicht rüttele. Es gebe Mitglieder des Kongresses, die eine andere Meinung verträten, schreibt Trump weiter. "Und es steht ihnen frei, das zu tun." Er werde sich Vorschläge aus dem Parlament zum weiteren Vorgehen gerne anhören, aber immer danach handeln, was das Beste für das Land sei.

Der Regimekritiker Khashoggi war am 2. Oktober in Istanbul getötet worden. Das hatte Wochen später auch Saudi-Arabien nach mehrfacher internationaler Kritik eingeräumt. Gleichzeitig wies die Führung des Landes jegliche Verantwortung von sich.

Die Türkei hat unterdessen die saudische Führungsspitze für den gewaltsamen Tod des Journalisten verantwortlich gemacht. Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass ein Tötungskommando von Saudi-Arabien entsandt wurde. Derzeit sitzen 21 Saudis in ihrem Land in Haft, darunter alle 15 Mitglieder des Teams, das sich Anfang Oktober in der Türkei befand.