Die tschechische Regierung hat angekündigt, dem Migrationspakt der Vereinten Nationen nicht beitreten zu wollen. Das entschied die Regierung in einer Kabinettssitzung, wie Vizeregierungschef und Umweltminister Richard Brabec mitteilte. Neben Tschechien haben unter anderem bereits die USA, Australien, Ungarn, Bulgarien und Österreich ihre Ablehnung erklärt.

Die Minderheitsregierung aus populistischer ANO und sozialdemokratischer CSSD kritisiert, dass der Pakt nicht ausreichend zwischen "legalen und illegalen Migranten" unterscheide. Ministerpräsident und ANO-Gründer Andrej Babiš hatte zudem erklärt, das Übereinkommen gefährde die Sicherheit und nationale Souveränität seines Landes. Der Pakt sei gefährlich, obwohl er nicht rechtlich bindend sei, weil er "faktisch Migration als ein grundlegendes Menschenrecht definiert".

Der von den UN-Mitgliedstaaten beschlossene Migrationspakt soll bei einem Gipfeltreffen am 10. und 11. Dezember in Marokko angenommen werden. Das rechtlich nicht bindende Dokument soll helfen, Flucht und Migration besser zu organisieren.

Tschechien gehört auch zu den EU-Mitgliedern, die sich gegen einen von der EU vorgeschlagenen Plan zur Verteilung von Asylbewerbern und -bewerberinnen in der Union gestellt haben. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CVVM im Oktober ergab, dass 68 Prozent der Menschen in Tschechien die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen ablehnten. Das war ein Anstieg zum zehn Prozentpunkte gegenüber einer gleichlautenden Umfrage von April. Nur 24 Prozent der Befragten sprachen sich für eine vorübergehende Aufnahme solcher Schutzsuchender aus, rund zwei Prozent für eine dauerhafte. Befragt wurden 1.023 Menschen im Zeitraum vom 13. bis 26. Oktober.