Die radikalislamische Hamas hat Israel mit Raketenangriffen auf die Städte Aschdod und Beerscheba gedroht, wenn die israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen weitergehen. Dies sei "eine Antwort auf die Bombardierung von Gebäuden in Gaza", sagte Abu Obeida, ein Sprecher des militanten Hamas-Flügels. Aschdod und Beerscheba seien "die nächsten Ziele, wenn der Feind weiter zivile Gebäude bombardiert".

Die Warnung kam, kurz nachdem die Gewalt im Gazastreifen eskaliert war. Wie das israelische Militär mitteilte, wurden seit Montagmorgen bis Mitternacht mehr als 300 Raketen und Mörsergranaten auf israelisches Gebiet abgefeuert. Ein Mensch sei getötet worden, mindestens 20 weitere verletzt. Israel flog daraufhin seinerseits Luftangriffe und zerstörte unter anderem die Nachrichtenzentrale der Hamas. Nach palästinensischen Angaben sollen dabei drei Menschen getötet und neun weitere verletzt worden sein.

Auslöser der Eskalation war ein fehlgeschlagener israelischer Militäreinsatz im Gazastreifen am Sonntag. Die israelische Spezialeinheit war auf Erkundungsmission, als sie entdeckt wurde und in ein Feuergefecht geriet. Sieben Extremisten und ein israelischer Soldat wurden getötet. Das israelische Militär lieferte wenige Details zum Grund für den Einsatz. Eine "Spezialtruppe" habe "einen für die Sicherheit Israels sehr bedeutsamen Einsatz" ausgeführt, sagte Generalstabschef Gadi Eizenkot.

Israel verlegt Truppen an die Grenze

Die Hamas – und mit ihr zusammen die Extremistengruppe Islamischer Dschihad – verstärkte nach eigenen Angaben ihre "Sicherheitsmaßnahmen". Auch das israelische Militär rüstete auf. Laut einem Sprecher wurden zusätzliche Bodentruppen und Raketenabwehrsysteme an die Grenze zum Gazastreifen verlegt. Kabinettsminister Michael Oren sagte, Israel werde alles Nötige tun, um sich zu verteidigen, und erwarte dafür Unterstützung der internationalen Gemeinschaft.

UN-Generalsekretär António Guterres rief alle Beteiligten zu äußerster Zurückhaltung auf. Der EU-Botschafter in Israel, Emanuele Giaufret, forderte, den wahllosen Beschuss von Zivilisten sofort zu beenden. Ebenso wie der UN-Nahostgesandte Nikolaj Mladenow mahnte er, dass Gaza nicht wieder in den Abgrund stürzen dürfe.

Seit der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen 2007 haben die Extremisten und Israel drei Kriege gegeneinander geführt. Beim jüngsten, im Sommer 2014, wurden innerhalb von nur 50 Tagen mehr als 2.200 Palästinenser und 73 Menschen auf israelischer Seite getötet.