Mit den neuen harten Wirtschaftssanktionen will die US-Regierung den Iran isolieren, seine Ölexporte blockieren und seinen Anschluss an das internationale Bankensystem kappen. 700 Firmen, Personen, Flugzeuge und Schiffe setzte die Regierung auf die Boykottliste sowie Unternehmen aus Drittstaaten, die mit dem Land Geschäfte machen. Wie geht es den Menschen damit? Hier beschreibt ein junger Iraner, wie sich die Sanktionen auf seinen Alltag auswirken. Um ihn zu schützen, verzichten wir darauf, seinen Namen zu veröffentlichen. Er liegt der Redaktion vor.

"Ich glaube: Die Sanktionen zielen darauf ab, die Unzufriedenheit unter den Iranern zu verstärken. Die USA sagen zwar, sie wollen keinen regime change im Iran, aber ich glaube, dass es genau das ist, was sie versuchen. Die USA wissen, dass das iranische Regime in keiner guten Verfassung ist, dass die Menschen einen Wandel wollen. Und diese schlechte Stimmung wollen die USA nutzen, um die Iraner gegen die Regierung anzustacheln. Das bringt viele Probleme mit sich, denn es sind die ganz normalen Menschen, die dafür einen hohen Preis zahlen müssen.

Selbst ich spüre die Folgen der Sanktionen. Ich bin 29, Künstler, Maler, und stelle meine Bilder in Ausstellungen aus. Es wird immer schwieriger für mich, die Materialien, die ich für meine Arbeit brauche, also Pinsel, Leinwände und Farben, zu finden. Viele Dinge werden im Iran nicht produziert, und das, was produziert wird, hat oft eine schlechte Qualität. Ich habe weniger Kunden, denn die Menschen haben nicht mehr genug Geld, um Kunst zu kaufen oder auf Kulturveranstaltungen zu gehen.

Was die Sanktionen für die Menschen im Iran bedeuten, sehe ich jeden Tag: Es ist schwierig geworden, Medikamente zu bekommen, was vor allem für Menschen mit chronischen Krankheiten ein großes Problem ist. Produkte des täglichen Lebens werden wegen der Inflation immer teurer, die Gehälter von Arbeitern und Angestellten dagegen immer niedriger. Ein Freund von mir ist Ingenieur. Anfang des Jahres hatte er noch 400 Euro im Monat verdient, nun verdient er nur noch die Hälfte.

Studiert und arbeitslos

Viele meiner Freunde sind hochgebildet, haben einen Universitätsabschluss – und finden dennoch keine Arbeit. Andere haben zwei Jobs, weil sie sonst nicht genug Geld verdienen würden. Sie fürchten, dass wegen der Sanktionen selbst das bald nicht mehr reichen wird, um ihre täglichen Kosten zu decken. Die meisten von ihnen wollen weg aus dem Iran, weil sie dort keine Perspektive für sich sehen. Einige haben ihr Geld in US-Dollar umgetauscht, weil der Rial so stark an Wert verloren hat. Vielen nehmen ihr Geld von der Bank und investieren es in Güter. Mein Vater etwa hat ein Haus gekauft und ein Freund von mir hat sein Geld in Gold angelegt. Die Banken verlieren ihre Kunden, die Leute vertrauen ihnen nicht mehr.

Ich lebe im Norden des Irans. Hier geht es den Menschen etwas besser als in den übrigen Landesteilen, aber für uns alle sind die Zeiten schwierig. Die Bauern verlieren ihre Arbeit, weil die Bewirtschaftung der Höfe zu teuer geworden ist. Menschen aus anderen Landesteilen ziehen in unsere Region, weil sie bei sich keine Arbeit mehr finden. Auch wird in vielen Gebieten das Wasser knapp. Im Norden ist es noch etwas besser, denn wir sind nah am Kaspischen Meer und es regnet viel. In anderen Teilen ist es heiß und trocken, auch deshalb ziehen viele Menschen in unsere Region. Die Sanktionen könnten den Wassermangel noch verschärfen, denn es ist fast unmöglich geworden, Teile zu importieren, die man etwa für Anlagen bräuchte, um Meerwasser zu entsalzen.

Der Iran müsste sich nun eigentlich mit seinen Nachbarn verbünden, mit der Türkei, dem Irak oder sogar Saudi-Arabien. Aber die USA setzen diese Länder unter Druck, damit sie die Sanktionen zu akzeptieren. Deswegen werden sie sich vermutlich langfristig ebenfalls gegen den Iran stellen. Für den Iran wird es sehr schwierig werden, so ganz ohne Verbündete im Mittleren Osten.