Im Irak sind 202 Massengräber mit den sterblichen Überresten Tausender Opfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" gefunden worden. Ein Report der UN-Unterstützungsmission für den Irak (UNAMI) und des Menschenrechtsbüros der Vereinten Nationen dokumentiert die Gräber in den Regierungsbezirken Ninewa, Kirkuk, Salah al-Din und Anbar. Es sei schwierig, die Gesamtzahl der Opfer in den Gräbern zu ermitteln, heißt es darin. Im kleinsten Grab in West-Mossul fanden sich acht Leichen, während das größte in Khasfa möglicherweise Tausende Tote birgt.

Von den 202 entdeckten Gräbern seien bislang 28 ausgegraben worden, wobei mehr als 1.250 Leichen exhumiert worden seien. Fast die Hälfte der Stätten liegt in der nördlichen Provinz Ninive, in der die Dschihadisten zahlreiche Gräueltaten an der religiösen Minderheit der Jesiden verübten. Laut Iraks Hoher Kommission für Menschenrechte werden in Ninive noch immer 3.000 Jesiden und 4.000 weitere Menschen vermisst.

Zwischen Juni 2014 und Dezember 2017 hatte der IS große Gebiete des Irak besetzt. Dem Bericht zufolge befindet sich in den Gräbern wichtiges forensisches Material, das bei der Identifikation der Opfer helfen und dazu beitragen könnte, ein Verständnis für das Ausmaß der Verbrechen zu gewinnen. Die gesammelten Beweise werden laut UN von zentraler Bedeutung sein, um belastbare Ermittlungen, Strafverfolgungen und Verurteilungen zu ermöglichen.

UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet sagte: "Die schrecklichen Verbrechen des IS im Irak haben die Schlagzeilen verlassen, doch das Trauma der betroffenen Familien dauert an." Die Opfer seien "gnadenlos getötet" worden, "weil sie nicht der verdrehten Ideologie und Herrschaft des IS entsprachen" oder ethnischen und religiösen Minderheiten angehörten. Ihre Familien hätten das Recht auf "Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung" für eine vollständige Aufarbeitung der Gräueltaten des IS, sagte Bachelet.

Forderung nach zentraler Vermisstenstelle

Der Bericht dokumentiert zudem, wie schwierig und frustrierend die Suche nach Angehörigen für die betroffenen Familien ist. Derzeit müssten sie sich an mindestens fünf staatliche Stellen wenden. Daher sei eine zentrale Vermisstenstelle erforderlich.

Der UN-Sonderbeauftragte für den Irak, Ján Kubiš, forderte Unterstützung für die irakische Regierung bei der Exhumierung, Identifizierung und Rückführung der Toten in den Massengräbern. Dazu sollten Expertinnen und Experten verschiedener Disziplinen wie etwa Waffenspezialisten und Kriminaltechnikerinnen hinzugezogen werden. Die internationale Gemeinschaft rief er auf, finanzielle und technische Ressourcen dafür bereitzustellen.