Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hat überraschend seinen Rücktritt erklärt. Der 60-jährige Vorsitzende der ultranationalen Partei Israel Beitenu ("Unser Haus Israel") reagierte damit darauf, dass die israelische Regierung einer Waffenruhe mit der radikalislamischen Hamas zugestimmt hatte. Diese sei eine "Kapitulation vor dem Terror", sagte er und nannte den Umgang mit dem Gazakonflikt als einen Grund für seinen Rücktritt.

Lieberman rief die anderen Fraktionen innerhalb der Regierung dazu auf, möglichst rasch Neuwahlen abzuhalten. Regulär stünden die nächsten Wahlen erst in einem Jahr an. Zu der Gaza-Waffenruhe sagte er: "Wir kaufen uns Ruhe für eine kurze Zeit und schaden dabei der nationalen Sicherheit." Der israelische Wähler müsse nun entscheiden, "was die richtige Linie ist".

Ein Vertreter der Likud-Partei von Regierungschef Benjamin Netanjahu lehnte Neuwahlen ab. Es gebe "keine Verpflichtung zu Wahlen in dieser für die Sicherheit sensiblen Zeit", sagte er. Seinen Angaben zufolge übernimmt Netanjahu vorübergehend die Amtsgeschäfte des Verteidigungsministers.

In den vergangenen Tagen war es zwischen Israel und den Palästinensern im Gazastreifen zu den schwersten Kämpfen seit dem Gazakrieg von 2014 gekommen. Die Waffenruhe hatten die militanten Palästinenserorganisationen im Gazastreifen nach schwerem gegenseitigen Beschuss am Dienstagabend einseitig verkündet. Laut israelischen Medienberichten wies die Regierung nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts die Armee an, sich ebenfalls an die Waffenruhe zu halten. Regierungschef Benjamin Netanjahu verteidigte das. "Unsere Feinde haben um eine Waffenruhe gebettelt und sie wissen warum", sagte er.

Die Waffenruhe ist nicht nur innerhalb der israelischen Regierung umstritten. Mehrere Hundert Israelis, die nahe der Grenze zum Gazastreifen leben, protestierten gegen die Vereinbarung. Sie forderten, dass das Militär weiter gegen die im Gazastreifen herrschende Hamas vorgeht.

Lieberman fordert schon länger härteres Durchgreifen

Avigdor Lieberman hatte das Amt des Verteidigungsministers seit Mai 2016 inne. Der Ex-Außenminister hatte in der Vergangenheit immer wieder mit umstrittenen Äußerungen antiarabische Ressentiments geschürt. Die Palästinenserpolitik des Regierungschefs Netanjahu hatte er mehrfach als zu "lasch" kritisiert.

Liebermans Fraktion Israel Beitenu verfügt über fünf Mandate im Parlament. Ohne sie hätte Netanjahus rechts-religiöse Regierung nur noch eine knappe Mehrheit von einem Abgeordneten.

Die Hamas stellte den Rücktritt Liebermans als "politischen Sieg für Gaza" dar. Auch die Feuerpause hatte die radikale Palästinenserorganisation bereits als einen Erfolg gewertet. Auf den Straßen im Gazastreifen feierten Tausende Bewohner und Bewohnerinnen am Dienstagabend die Waffenruhe.