Fall Khashoggi - Saudi-Arabien weist Anschuldigungen der CIA zurück Es ist die erste Stellungnahme der Führung in Riad zu Medieninformationen, nach denen der US-Geheimdienst den Kronprinzen Mohammed bin Salman für den Auftraggeber des Mordes an Jamal Khashoggi hält. © Foto: Giuseppe Cacace/Getty Images

Saudi-Arabien hat die Einschätzung des US-Geheimdienstes CIA, Kronprinz Mohammed bin Salman habe den Mord des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi angeordnet, offiziell zurückgewiesen. Einen entsprechenden Bericht der Washington Post kommentierte Außenminister Adel al-Dschubeir in einem Interview mit der Zeitung Aschark al-Ausat mit den Worten: "Wir im Königreich wissen, dass solche Behauptungen gegen den Kronprinzen völlig falsch sind, und wir weisen sie entschieden zurück."

Zugleich stellte Al-Dschubeir klar, dass die Monarchie in Riad keine Anschuldigungen gegen ihre höchsten Würdenträger dulden wird. "Ich möchte betonen, dass die Führung des Königreichs Saudi-Arabien, vertreten durch den König und den Thronfolger, ein rote Linie ist", sagte er. "Wir werden keine Versuche zulassen, sie anzutasten, von wem auch immer und unter welchem Vorwand auch immer." 

Die Washington Post hatte unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet, die CIA sehe Bin Salman als Drahtzieher hinter dem gewaltsamen Tod des Journalisten Khashoggi im saudischen Generalkonsulat in Istanbul. Das Außenministerium in Washington stellte am Samstag aber klar, es sei noch keine abschließende Bewertung in dem Kriminalfall getroffen worden. US-Präsident Donald Trump sprach von einer "sehr voreiligen" Schlussfolgerung. Der vollständige CIA-Bericht werde ihm erst an diesem Dienstag vorgelegt.

Türkei will internationale Untersuchung

Was genau am 2. Oktober in dem Konsulat geschah, wie Khashoggi – einst ein Berater, dann ein Kritiker des saudischen Königshauses – zu Tode kam und wer dafür verantwortlich ist, ist auch sieben Wochen später noch immer nicht zweifelsfrei geklärt. An dem Tag war der 59-Jährige verschwunden, als er im Konsulat seines Landes in Istanbul Unterlagen für seine Hochzeit abholen wollte. Die türkische Regierung geht davon aus, dass er von einem extra aus Saudi-Arabien angereisten Kommando getötet wurde. Anschließend soll seine Leiche zerteilt und in Säure aufgelöst worden sein. Das Königshaus in Riad hat die Tötung des Journalisten, der nach seiner Flucht in die USA auch für die Washington Post geschrieben hatte, erst nach wochenlangen Dementis bestätigt.

Sollten sich die Erkenntnisse der CIA bestätigen, würde dies nicht nur die Beziehungen zwischen den USA und ihrem wichtigen Verbündeten Saudi-Arabien weiter belasten, sondern auch der Staatsanwaltschaft in Riad direkt widersprechen. Diese hatte den Kronprinzen zuletzt erneut entlastet und stattdessen fünf hochrangige Regierungsmitarbeiter beschuldigt, eigenmächtig ein 15-köpfiges Spezialteam zur Tötung Khashoggis geschickt zu haben. Den Angeklagten droht die Todesstrafe.

Nun erwägt die Türkei eine internationale Untersuchung des Falls. Über alle Aspekte eines solchen Schritts habe er bereits mit UN-Generalsekretär António Guterres gesprochen, sagte Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu. Ein Sprecher der Vereinten Nationen ergänzte, Ankara habe eine Untersuchung zum Fall Khashoggi bisher nicht formal angefordert. Eine offizielle Bitte der beteiligten Länder halte Guterres aber für nötig, um entsprechende Schritte einleiten zu können.

Fall Khashoggi - Deutschland erteilt 18 Verdächtigen Einreiseverbote Den betreffenden saudi-arabischen Staatsbürgern werde eine Beteiligung an der Tötung Khashoggis vorgeworfen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. © Foto: Emrah Gurel/AP

Saudischer Kronprinz kommt zu G20-Gipfel

Der Fall sorgte international für Empörung. Nachdem die USA Sanktionen gegen 17 ehemalige saudische Regierungsmitarbeiter verhängt hatte, stoppte die Bundesregierung alle Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien und verhängte Einreisesperren gegen 18 saudische Staatsbürger, die im Verdacht stehen, direkt oder indirekt an Khashoggis Ermordung beteiligt gewesen zu sein. Auch Frankreich denkt über Strafmaßnahmen nach. "Wir arbeiten derzeit mit Deutschland zusammen", sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian im Sender Europe 1.

Ungeachtet der Anschuldigungen gegen ihn will der saudische Kronprinz sein Land beim G20-Gipfel in Argentinien vertreten. Die Teilnahme des Kronprinzen erfolge im Rahmen einer Auslandsrundreise, erklärte der saudische Energieminister Khalid al-Falih. Damit würde der 33-Jährige einmal mehr seinen Vater, den 82 Jahre alten König Salman vertreten, der nur noch selten ins Ausland reist.