Einen Monat nach dem mutmaßlichen Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul muss die Regierung Saudi-Arabiens vor dem Menschenrechtsrat in Genf zur Lage im Königreich berichten. Alle Länder müssen regelmäßig eine solche Prüfung durchlaufen, der Termin für Saudi-Arabien war lange vor dem Verschwinden Khashoggis angesetzt. Es ist anzunehmen, dass in Anbetracht der Geschehnisse die saudi-arabische Regierung weiter in Bedrängnis geraten wird.

Dabei soll das Land zunächst über seine Fortschritte in Sachen Menschenrechte berichten. Die anderen Länder können anschließend Fragen stellen und den Fall Khashoggi zur Sprache bringen. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, hatte vor wenigen Tagen Zweifel an einer unabhängigen saudischen Untersuchung genährt und die Beteiligung internationaler Experten gefordert.

Khashoggis trauernde Söhne hoffen auf Klarheit

Die Söhne des getöteten Journalisten forderten die Herausgabe des Leichnams, um ihn in Saudi-Arabien beerdigen zu können. Es sei der Familie sonst nicht möglich, zu trauern und mit der emotionalen Belastung umzugehen, sagten Salah und Abdullah Khashoggi in einem CNN-Interview. Die Familie wolle Jamal Khashoggi auf einem Friedhof im saudi-arabischen Medina beerdigen. Salah Khashoggi habe bereits mit den Behörden in Saudi-Arabien gesprochen. König Salman habe zugesichert, die Verantwortlichen für den Tod zur Rechenschaft zu ziehen. Bislang wurden die sterblichen Überreste des Journalisten nicht gefunden. "Ich warte einfach darauf, dass die Fakten ans Tageslicht kommen", sagte Salah Khashoggi. Sein Bruder Abdullah sagte dem US-Sender: "Was auch immer ihm zugestoßen ist, ich hoffe wirklich, dass es nicht schmerzhaft für ihn war – oder zumindest schnell ging. Oder dass er einen friedlichen Tod starb."

Bisherige Berichte und Behördenerklärungen zum Schicksal Khashoggis stützen diese Hoffnung nicht. Eindeutig fest steht nur, dass er am 2. Oktober in das Konsulat in Istanbul ging, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen, und danach nicht mehr auftauchte.

Die saudische Staatsführung präsentierte unterschiedliche Erklärungen zu seinem Verschwinden und erst nach Wochen die Version, der Regierungskritiker sei im Konsulat umgebracht worden. Laut der türkischen Justiz wurde Khashoggi kurz nach Betreten des Konsulats erwürgt, seine Leiche zerstückelt und dann "vernichtet". Zuvor hatten türkische Ermittler von einer Folterung Khashoggis durch ein eigens aus Saudi-Arabien angereistes Spezialkommando gesprochen.