EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete will den Ausstoß von Treibhausgasen in der Europäischen Union bis 2050 auf Null reduzieren. "Es ist absolut möglich", sagte Cañete. "Sicher, es werden viele Investitionen nötig sein. Es werden viele Bemühungen nötig sein, aber es ist machbar." Die EU-Kommission will am Mittwoch ihre Klimastrategie bis zum Jahr 2050 vorstellen. Darin sind acht Szenarien enthalten, wie die EU die Emission des klimaschädlichen CO2 senken will, um das Pariser Klimaabkommens aus dem Jahr 2015 umzusetzen. In zwei der Szenarien wird eine klimaneutrale EU angepeilt.

"Klimaneutral zu werden, ist der richtige Weg für Europa", sagte Cañete dem Handelsblatt. Die vollständige Abkehr von Öl, Kohle und Gas sei nötig, um die globale Erwärmung zu begrenzen. Die EU werde profitieren, wenn sie Vorreiter bei grünen Technologien sei. "Einige Industrien, die mit fossilen Brennstoffen oder Bergbau zu tun haben, könnten verschwinden", sagte Cañete.

Der Klimakommissar forderte die Bürger auf, ihr Verhalten anzupassen: "Sie sollten daran denken, wenn sie ihr Haus renovieren, ein neues Auto oder neue Elektrogeräte kaufen." Die Entscheidungen der Bürger hätten großen Einfluss darauf, ob die ehrgeizigen Ziele erreicht werden könnten. Die Kommission schätzt den Bedarf an zusätzlichen Investitionen auf bis zu 290 Milliarden Euro jährlich.

Im Pariser Abkommen war vereinbart worden, die Erderwärmung unter zwei Grad gegenüber der Zeit vor der Industrialisierung zu halten und möglichst 1,5 Grad zu erreichen. Allerdings stieg der jährliche Ausstoß an Treibhausgasen im vergangenen Jahr einer UN-Studie zufolge auf einen neuen Rekord. Die Staaten müssten daher ihre Anstrengungen verdreifachen, um das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen, heißt es in einem Bericht des UN-Umweltprogramms Unep.

Ab Montag beraten Vertreter aus rund 200 Staaten auf der Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz darüber, was getan werden muss, um den Klimavertrag von Paris einzuhalten.