Nach der Konfrontation vor der Krim sind drei ukrainische Marinesoldaten in Untersuchungshaft genommen worden. Ein Gericht auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel ordnete an, die Soldaten für zwei Monate in Gewahrsam zu nehmen, sagte die Menschenrechtsbeauftragte auf der Krim. Der Kreml teilte mit, er könne das Schicksal der ukrainischen Matrosen nicht beeinflussen. Das werde vor Gericht entschieden, sagte Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. Die Seeleute werden auf der Krim einem Haftrichter vorgeführt. Nach Angaben des Senders Radio Free Europe nahm dieser bisher mindestens zwei von ihnen in Untersuchungshaft. Die Männer sollen zwei Monate im Gefängnis bleiben.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte zuvor Russland aufgefordert, die festgesetzten Matrosen freizulassen. Sie rief Russland und die Ukraine dazu auf, den Konflikt im Asowschen Meer beizulegen. "Russland muss die freie Durchfahrt durch die Wasserstraßen sicherstellen und es darf nicht unverhältnismäßig handeln", sagte sie bei der Eröffnung der Berliner Sicherheitskonferenz.

Die russische Küstenwache hatte am Wochenende Patrouillenbooten der ukrainischen Marine die Durchfahrt durch die Meerenge von Kertsch verweigert und eines der Schiffe gerammt. Russland setzte drei ukrainische Schiffe und mindestens 23 Seeleute fest. Nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes waren auch ukrainische Geheimdienstoffiziere darunter. Gemäß dem Gesetz hätten sie den Seestreitkräften nachrichtendienstlich geholfen. Einer der Geheimdienstoffiziere sei vor der Festnahme von einer ungelenkten Rakete schwer verletzt worden, die von einem Kampfflugzeug abgefeuert worden sei.  

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko kündigte nach dem Vorfall an, dass von Mittwoch an für 30 Tage das Kriegsrecht gelten soll. Das Parlament billigte diese Maßnahme am Montagabend mit großer Mehrheit.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hatte die Blockade mit einer Grenzverletzung begründet. Er hat ein Video mit Aussagen von drei ukrainischen Seeleuten veröffentlicht, in dem sie sagen, sie hätten die russische Grenze verletzt. Ob sie zu diesen Aussagen gezwungen wurden, ist nicht festzustellen. Einer von ihnen liest seine Worte in dem Video offenbar von einem Teleprompter ab.  

Deutschland und Frankreich wollen vermitteln

Deutschlands Außenminister Heiko Maas (SPD) will zusammen mit seinem französischen Kollegen Jean-Yves Le Drian zwischen der Ukraine und Russland vermitteln. Deutschland und Frankreich hätten angeboten, in den als Normandie-Format bezeichneten Treffen mit Vertretern aus Russland und der Ukraine an einer Lösung zu arbeiten, sagte Maas in Berlin. "Wir müssen verhindern, dass aus diesem Konflikt eine noch schwerere Krise für die Sicherheit in Europa wird." 

Am Montag hatte es ein länger geplantes Treffen der vier Außenminister in Berlin gegeben. Sie hatten auch über die Eskalation im Asowschen Meer beraten. Eigentlich soll es in den Normandie-Treffen um die Umsetzung des Minsker Friedensabkommens für die Ostukraine gehen. Seit 2014 bekämpfen sich dort prorussische Separatisten und ukrainische Regierungstruppen. Die Verhandlungen haben in den vergangenen viereinhalb Jahren aber kaum Fortschritte gebracht, seit Anfang 2017 kamen die Außenminister nur zweimal zusammen. Russland hatte 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert.

Neue Sanktionen gegen Russland nicht ausgeschlossen

Die österreichische EU-Ratspräsidentschaft schließt angesichts der Eskalation neue Sanktionen gegen Russland nicht aus. "Die Frage von weiteren Sanktionen wird sich zeigen, wir haben demnächst einen gemeinsamen Rat", sagte die österreichische Außenministerin Karin Kneissl. Derzeit stehe bezüglich des Zwischenfalls vom Sonntag jedoch "Aussage gegen Aussage". Alles hänge davon ab, wie sich die Regierungen in Moskau und Kiew weiter verhielten, sagte Kneissl. Sanktionen aber "werden zu prüfen sein".