Die Schweizerinnen und Schweizer haben darüber abgestimmt, ob Bauern belohnt werden sollen, die ihrem Milchvieh die Hörner nicht abnehmen. Ersten Hochrechnungen zufolge lehnte am Sonntag mehr als die Hälfte der Teilnehmenden der Abstimmung das Vorhaben ab. Befürworter der Initiative hatten argumentiert, dass Kühe mit Hörnern vermutlich glücklicher seien als Artgenossen, denen sie schon im Kälbchenalter gekappt werden. Zudem sei das Veröden der Hornknospen schmerzhaft für die Tiere. Der Initiator der Volksabstimmung, der Schweizer Bauer Armin Capaul, hatte gefordert, jeder Bauer solle pro Tag und Kuh mit Horn einen Franken erhalten. 

Wissenschaftlich sind die Vor- oder Nachteile einer Enthornung nicht eindeutig geklärt. Eine Studie der Universität Kassel besagt, dass das Horn ein wichtiges Kommunikationsinstrument ist, mit dem sich die Kuh in der Herde orientiert, einordnet und Hierarchien respektiert. Zudem gehen Kühe mit Hörnern demnach körperlichen Auseinandersetzungen eher aus dem Weg: Fällt das Horn als Abschreckungswaffe weg, tragen die hornlosen Tiere Konflikte öfter mit Kopfstößen aus. Die Folge sind laut einer Studie des eidgenössischen Forschungsinstituts Agroscope häufig Hämatome und Rippenbrüche.

Schweiz - Zwei Initiativen scheitern bei Volksabstimmung Die von Rechtspopulisten unterstützte Selbstbestimmungsinitiative wurde mit einer Zweidrittelmehrheit zurückgewiesen. Der Vorstoß zur Bewahrung von Kuhhörnen wurde nur knapp abgelehnt. © Foto: Laurent Gillieron/KEYSTONE/picture alliance/dpa

Horngegner argumentieren mit Verletzungsrisiken

Gegner der Initiative zur Horn-Prämie, darunter der Bäuerinnenverband, machten dagegen geltend, dass ein ausgewachsenes Tier mit spitzen Hörnern eine tödliche Gefahr sein könnte – auch für den Menschen. Immer wieder komme es zu Verletzungen. In der Schweiz tragen auch deshalb nur noch zehn Prozent der rund 1,5 Millionen Rinder Hörner; bei manchen Rassen sind sie ganz weggezüchtet.

Auch die Schweizer Regierung war aus Kostengründen gegen eine Subventionierung der Kuhhörner. Nach Schätzungen wären mindestens 15 Millionen Franken (gut 13 Millionen Euro) an Hörner-Hilfen nötig gewesen. Zum andern berief sich der Bundesrat, der die Initiative ebenfalls bekämpfte, auf das Tierwohl: Er fürchtete, dass Bauern, die von der Horn-Prämie angelockt werden, wieder auf behornte Kühe setzen könnten – und diese dann im Stall anbinden, um Unfälle zu verhindern.

Wie viele der zwölf Millionen Rinder in Deutschland noch Horn tragen, ist nicht bekannt. Nach Angaben des Milchindustrie-Verbandes ist das Thema aber aktuell. "Natürlich werden Fragen zum Für und Wider in der Haltung von Rindern mit und ohne Hörnern diskutiert", sagte Referent Björn Börgermann der Deutschen Presse-Agentur vor der Abstimmung in der Schweiz. Rinder seien jedoch keine Kuscheltiere. "Für den Tierhalter besteht durchaus ein erhöhtes Gefährdungspotential in der Arbeit mit behornten Tieren", sagte Börgermann.