Michael Cohen, einst Anwalt des US-Präsidenten Donald Trump, ist vor einem New Yorker Gericht aufgetreten und hat dort ausgesagt, vor dem US-Kongress gelogen zu haben. Er habe 2017 vor dem Geheimdienstausschuss des Senats falsche Angaben über den Bau eines Trump Towers in Moskau gemacht. Cohen sagte, über den Zeitpunkt der Verhandlungen über das Bauprojekt falsche Angaben gemacht zu haben, damit sie in Einklang mit Trumps politischer Botschaft erschienen seien. Im Kongress hatte er gesagt, das Trump-Tower-Projekt sei im Januar 2016 beendet worden. Nach seiner jetzigen Darstellung wurde es bis Juni 2016 fortgesetzt, als Trump die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner sicher hatte.

Trump bezeichnete die Aussagen Cohens umgehend als Lüge. Vor seinem Abflug zum G20-Gipfel nach Argentinien sagte der US-Präsident vor Journalisten, die Darstellung Cohens sei frei erfunden. "Er lügt", um eine mildere Strafe zu bekommen, sagte Trump.

Cohen arbeitete zehn Jahre lang für Trump, als dieser mit seinem Immobilien- und Lizenzgeschäft, mit Fernseh- und Werbeauftritten ein Vermögen anhäufte. Im August hatte sich der Jurist bereits anderer Verfehlungen schuldig bekannt. Damals ging es um seine Taxigeschäfte, Bankbetrug und seine Tätigkeit für Trumps Wahlkampf.

Vor einem Bundesrichter in New York hatte Cohen damals eingeräumt, Schweigegeld in Höhe von 130.000 beziehungsweise 150.000 Dollar an die Pornodarstellerin Stormy Daniels beziehungsweise das Ex-Playmate Karen McDougal gezahlt zu haben, die nach eigenen Angaben sexuelle Kontakte zu Trump hatten. Er habe dabei auf Anweisung "eines Kandidaten" gehandelt und mit der "Intention, die Wahl zu beeinflussen".

Cohens Anwalt Lanny Davis erklärte später: "Das ist Michael, der sein Versprechen erfüllt – seine Familie und sein Land voranzustellen und die Wahrheit über Donald Trump zu erzählen." Cohen habe "unter Eid erklärt, dass Donald Trump ihn angewiesen hat, ein Verbrechen zu begehen, indem er zwei Frauen mit dem Hauptziel bezahlte, eine Wahl zu beeinflussen".

Beobachter gingen schon damals davon aus, dass Cohen durch sein Schuldeingeständnis und die Zusammenarbeit mit der Anklagebehörde eine mildere Strafe erwarten kann. Das Urteil gegen ihn soll am 12. Dezember fallen.

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Im Gerichtssaal in Manhattan war US-Medien zufolge auch ein Mitarbeiter von Sonderermittler Robert Mueller anwesend. Dieser untersucht die mutmaßlichen Kontakte von Trump und dessen Wahlkampfteam nach Russland. Die US-Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass Russland Einfluss auf die Präsidentenwahl 2016 genommen hat. Die Wahl gewann Trump vor seiner demokratischen Herausforderin Hillary Clinton.

Cohens Anwalt sagte vor Gericht, im Rahmen eines sogenannten plea deals – einer Abmachung mit der Anklagebehörde – arbeite sein Mandant mit Muellers Team zusammen. Und weiter: Die Einigung beinhalte eine Kooperation bei Muellers Ermittlungen zu russischer Einmischung in die US-Wahl.