Bei den Kongresswahlen am 6. November entscheidet sich, wer in Washington künftig Gesetze erlassen und blockieren kann. Sollten die Demokraten, wie derzeit wahrscheinlich, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückgewinnen, könnten sie die Agenda des Präsidenten in den kommenden Jahren ausbremsen. Sie könnten auch Untersuchungen einleiten, die Donald Trump gefährlich werden könnten. Doch es geht nicht nur um Washington: Je nach Bundesstaat gelten im Wahlkampf andere Regeln. Andere Themen stehen im Mittelpunkt, andere Strategien führen zum Erfolg. Die folgenden Duelle sorgen derzeit landesweit für Aufregung. Und sie zeigen, wie es um die USA im Jahr 2018 steht.

West Virginia: Demokraten im Trump-Land

Wer tritt an?

Der 71-jährige Demokrat Joe Manchin sitzt seit 2010 im Senat und will seinen Sitz verteidigen. Auf der anderen Seite steht Patrick Morrisey, der derzeitige Generalstaatsanwalt des Bundesstaates. Inhaltlich unterscheiden sich beide überraschend wenig. Manchin spricht sich wie Morrisey gegen Abtreibung aus, beide kämpfen für die Förderung des Kohlebergbaus und gegen zu strenge Umweltauflagen.

Was macht das Duell so spannend?

Manchin war im Oktober der einzige Senator aus seiner Partei, der für Brett Kavanaughs Nominierung zum Richter am obersten Gerichtshof gestimmt hat. Bei den Demokraten löste er damit bundesweit Entsetzen aus. Aber in seinem Heimatstaat könnte ihm die Unterstützung für Trumps Wunschkandidaten den Job retten. 

Trump gewann 2016 in West Virginia mit einem Vorsprung von 42 Prozentpunkten. Eine Stimme gegen Kavanaugh, sagen manche, hätte Manchin stürzen können. Stattdessen liegt er im Duell mit Morrisey vorn. Der Bundesstaat im Osten war einst fest in demokratischen Händen. Heute gilt West Virginia, wo die Kohleindustrie noch immer einer der wichtigsten Arbeitgeber ist, als verlässlich konservativ.

Allerdings haben aus Protest gleich mehrere wichtige liberale Gruppen Manchin die finanzielle Unterstützung im Wahlkampf entzogen. Beobachter warnen, der Demokrat laufe Gefahr, die progressiven Stimmen im Bundesstaat zu verspielen.

Welche nationale Bedeutung hat das Duell?

West Virginia ist nicht der einzige Bundesstaat, in dem die Demokratinnen und Demokraten vor allzu linken Positionen zurückschrecken. Zehn der Sitze, die sie in diesem Jahr verteidigen müssen, liegen in Bundesstaaten, die vor zwei Jahren an Trump gingen. Die Kandidaten der Demokraten wollen also neben der eigenen Basis auch einige Republikaner überzeugen. Wer zu sehr in Opposition zum Präsidenten geht, könnte abgestraft werden.

Iowa: Angriff der Frauen

Die Demokratin Abby Finkenauer hat sich bei den demokratischen Vorwahlen mit fast 70 Prozent gegen drei männliche Kontrahenten durchgesetzt. Sollte sie ins Repräsentantenhaus gewählt werden, wäre sie die jüngste Abgeordnete. © Tim Reid/Reuters

Wer tritt an?

Abby Finkenauer will für die Demokraten zum ersten Mal in das Repräsentantenhaus in Washington einziehen. Derzeit sitzt die 29-Jährige im Parlament von Iowa. Finkenauer steht für klassische linke Themen. Sie setzt sich für eine staatliche Krankenversicherung für alle und ein uneingeschränktes Recht auf Abtreibung ein. Der republikanische Amtsinhaber Rod Blum präsentiert sich hingegen als strammer Konservativer. Er zählt sich selbst zum Tea-Party-Flügel der Partei.

  • Senat
  • Repräsentanten­haus

Was macht das Duell so spannend?

Noch nie hat Iowa eine demokratische Frau in den Kongress geschickt: Derzeit sind alle Abgeordneten aus dem Bundesstaat im Corn Belt männlich. Jetzt stehen die Chancen für die Frauen – zumindest im Repräsentantenhaus – besser denn je. Finkenauer hat sich in den demokratischen Vorwahlen mit fast 70 Prozent gegen drei männliche Kontrahenten durchgesetzt und schon jetzt dreimal so viele Spendengelder gesammelt wie ihr Gegner. Umfragen sehen sie im Rennen gegen Blum derzeit vorn. Finkenauer wäre zugleich die jüngste Frau, die es je in den Kongress geschafft hätte – sie ist zwei Monate jünger als die New Yorkerin Alexandria Ocasio-Cortez, deren Einzug in die Kammer als sicher gilt.

Allerdings: Iowa ist mit seinen gut drei Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern schwer berechenbar. Die Wähler entscheiden hier nach Fall, nicht entlang der Parteilinie. Zweimal stellte sich Iowa deutlich hinter den demokratischen US-Präsidenten Barack Obama. Vor zwei Jahren aber setzte sich Trump mit einem Vorsprung von fast 9,5 Prozent durch.

Welche nationale Bedeutung hat das Duell?

Noch nie haben sich mehr Frauen um politische Ämter beworben als in diesem Wahlkampf, ein neuer Rekord bahnt sich an. Als Year of the Women galt bislang 1992. Damals waren wegen einer Anhörung von Anita Hill viele Frauen in den Kongress eingezogen. Sie hatte dem Richterkandidaten Clarence Thomas sexuelle Übergriffe vorgeworfen und wurde von einem rein männlichen Senatsausschuss befragt.