Im Wahlkampf haben die Amerikanerinnen und Amerikaner sicher gelegentlich vergessen, dass es nicht allein um Donald Trump geht. Hunderte neue Abgeordnete werden ab Januar im Kongress sitzen. Einige der Sieger haben im Schatten des Präsidenten Geschichte geschrieben oder Überraschendes erreicht. Hier die wichtigsten Newcomer nach den Midterms:

Der erste schwule Gouverneur: Jared Polis, Colorado

Jared Polis © Jason Connolly/AFP/Getty Images

Der 43-jährige Demokrat hat sich in der Wahl zum Gouverneur von Colorado gegen den Republikaner Walker Stapleton durchgesetzt. Polis sichert sich damit nicht nur ein Amt, das zuletzt in republikanischer Hand war. Er wird auch der erste offen schwule Gouverneur der USA. 2008 war Polis bereits der erste offen schwule Mann, der ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Schon damals schrieb er über seine Erfahrungen in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung – Jahre bevor der Supreme Court die Ehe für Schwule und Lesben im ganzen Land legalisierte. Allerdings fiel der Demokrat im jetzigen Wahlkampf auch aus anderen Gründen auf: Polis gilt als einer der progressivsten Politiker im Land. Er setzt sich für eine Krankenversicherung für alle ein, fordert eine kostenlose Schulausbildung und will seinen Bundesstaat schon bald zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgen.

Nach oben

Die ersten Muslimas im Kongress: Rashida Tlaib, Michigan, und Ilhan Omar, Minnesota

Rashida Tlaib © Rebecca Cook/Reuters
Ilhan Omar © Eric Miller/Reuters

Die Demokratinnen schrieben mit ihren Siegen in Michigan und Minnesota am Wahlabend Geschichte. Als erste muslimische Frauen werden sie für die Partei in den Kongress einziehen. Tlaib hatte sich in den Vorwahlen in einem sehr gemischten urbanen Bezirk gegen fünf weitere demokratische Kandidaten durchgesetzt. Ihr Sieg am Dienstag stand schon vorher fest, denn die 42-Jährige ging ohne einen Gegenkandidaten in die Kongresswahl. Tlaib und Omar gehören zu der Gruppe an neuen, linken Kandidaten, die sich bewusst als Alternative zum alten Establishment der demokratischen Partei präsentieren. Schon im Wahlkampf kündigte Tlaib an, sie werde die derzeitige Sprecherin der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, nicht unterstützen. Omar setzte sich in einem mehrheitlich demokratischen Bezirk in Minnesota mit 78 Prozent der Stimmen gegen die Republikanerin Jennifer Zielinski durch. Die 36-Jährige sprach sich unter anderem für eine Abschaffung der Grenzbehörde ICE und eine Reform der Strafgerichtsbarkeit aus.

  • Repräsentanten­haus
  • Senat

Nach oben

Die jüngsten Abgeordneten: Alexandria Ocasio-Cortez, New York, und Abby Finkenauer, Iowa

Alexandria Ocasio-Cortez © Andrew Kelly/Reuters
Abby Finkenauer © KC McGinnis/Reuters

Alexandria Ocasio-Cortez gilt als neuer Star der linken Demokraten. In den Vorwahlen hatte sie den langjährigen demokratischen Amtsinhaber Joe Crowley in New York überraschend besiegt. Am Dienstag sicherte sie sich in ihrem Bezirk, der Teile der Bronx und Queens umfasst, 78 Prozent der Stimmen gegen den Republikaner Anthony Pappas. Jetzt wird die 29-Jährige gemeinsam mit Abby Finkenauer, die sich in Iowa als erste demokratische Abgeordnete gegen den zweimaligen republikanischen Amtsinhaber durchsetzte, die jüngste Abgeordnete im Repräsentantenhaus. Ocasio-Cortez steht für linke Positionen wie die Abschaffung der Grenzschutzbehörde ICE, eine staatliche Krankenversicherung für alle und einen gesetzlichen Mindestlohn. Auch Finkenauer hat sich im Wahlkampf für eine staatliche Krankenversicherung für alle und ein uneingeschränktes Recht auf Abtreibung ausgesprochen.

Nach oben

Der extreme Rechte: Steve King, Iowa

Steve King © Scott Morgan/Reuters

Steve King hat im Wahlkampf mit seinem Ton selbst die eigenen Parteifreunde verschreckt. Der Republikaner, der zum neunten Mal für Iowa ins Repräsentantenhaus einziehen wird, hatte die Nähe zu rechtsextremen Gruppen gesucht und mit rassistischen Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht. In einem Interview sagte er, Einwanderung aus muslimischen Ländern werde zum Aussterben der "weißen Kultur" führen. Mehrere Unternehmen hatten ihm daraufhin die finanzielle Unterstützung entzogen. Im Wahlkampf war King nicht besonders engagiert. Während sein demokratischer Herausforderer J.D. Scholten zahlreiche Wahlwerbespots schaltete und unermüdlich durch den Bezirk reiste, sah man King nur selten bei Auftritten. Am Ende reichte es für den Amtsinhaber in der zutiefst konservativen Region, die Trump mit 27 Prozent Vorsprung gewann, auch so. Allerdings: Während King bislang mit zweistelligen Margen gewählt wurde, schrumpfte sein Vorsprung gegenüber dem Demokraten Scholten am Dienstag auf rund 2,5 Prozent.

Nach oben

Ein neuer republikanischer Star: Josh Hawley, Missouri

Josh Hawley © Mike Segar/Reuters

Es war eines der wichtigsten und teuersten Senatsduelle im Land und am Ende konnte der 38 Jahre alte Republikaner die zweimalige demokratische Amtsinhaberin Claire McCaskill in Missouri schlagen. Hawley ist bislang der Staatsanwalt des swing states und gilt als einer der neuen Stars der Partei – was Ocasio-Cortez für die Demokraten ist, ist Hawley für die Republikaner. Viele Beobachter glauben, dass er im Senat mit seinem konservativen Intellekt deutliche Zeichen setzen wird. Im Wahlkampf hatte er auf klassisch konservative Themen bedient und die Demokratin erfolgreich als "zu liberal" für den Bundesstaat dargestellt. Hawley griff McCaskill an, weil sie gegen beide Richterkandidaten von Donald Trump für den Supreme Court gestimmt hatte. Damit sicherte sich der Republikaner, der anfangs auf Distanz zu Trump gegangen war, die Unterstützung des Präsidenten. Der kam schließlich zweimal nach Missouri, um für Hawley zu werben.

Nach oben

Die ersten Vertreterinnen der Indigenen: Sharice Davids, Kansas, und Deb Haaland, New Mexico

Sharice Davids © Whitney Curtis/Getty Images
Deb Haaland © Brian Snyder/Reuters

Mit den Wahlerfolgen von Sharice Davids und Deb Haaland ziehen zum ersten Mal zwei Frauen in den US-Kongress ein, die zur indigenen Bevölkerung der USA gehören. Davids setzte sich in Kansas gegen den republikanischen Amtsinhaber Kevin Yoder durch und verschaffte den Demokraten so einen wichtigen Sieg auf dem Weg zur Mehrheit im Repräsentantenhaus. Davids gehört zu den Ho-Chunk, die Teil der Sioux-Sprachfamilie sind. Die 38-jährige Juristin und ehemalige Kampfsportlerin ist außerdem offen lesbisch. Deb Haaland, die ihre Wahl in New Mexico gewann, gehört zu den Laguna, einer Gruppe der Pueblo im Südwesten der USA. Sie setzte sich in einem Bezirk durch, der zuletzt zunehmend demokratisch gewählt hatte. Die beiden Siege sind nicht historisch, sondern setzen auch ein wichtiges Signal. Denn viele Indigene haben sich in diesem Wahlkampf diskriminiert gefühlt. In North Dakota hatte eine  Gesetzesänderung dazu geführt, dass viele Indigene nur mit Mühe ihre Stimme abgeben konnten.

Nach oben