Die USA tragen fast drei Viertel der Verteidigungsausgaben aller Nato-Staaten. Gemeinsam mit Großbritannien, das demnächst die EU verlassen wird, sind es sogar 80 Prozent sämtlicher Militäretats. Von der technologischen Überlegenheit der US-Streitkräfte und der amerikanischen Nukleargarantie ganz zu schweigen.

"Hoffnung ist noch keine Strategie", kommentierte dieser Tage ein amerikanischer Beobachter die Debatte in Europa.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat auf einer Konferenz in Berlin darauf hingewiesen, eine europäische Armee mache nur dann Sinn, wenn sie den europäischen Pfeiler innerhalb der Nato stärke. Beginne die EU aber, eigene Kommandostrukturen aufzubauen, wäre ein großes Durcheinander zu befürchten – und am Ende eine Schwächung der Verteidigung Europas.

Eine gemeinsame Armee würde ins Ungewisse führen

Ursula von der Leyen hält es denn auch eher mit der vorsichtigen Kanzlerin. Statt von einer "echten europäischen Armee" spricht die Verteidigungsministerin lieber von einer "Armee der Europäer". Sie lobt die Projekte einer engeren verteidigungspolitischen Kooperation unter den Europäern, wie die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit (Pesco) und den Europäischen Verteidigungsfonds – alles vernünftige, praktische Schritte, um Geld zu sparen und gemeinsame Einsätze überhaupt erst möglich zu machen. So verstanden, könnte die Nato tatsächlich von zusätzlichen Anstrengungen Europas profitieren.

Aber die Unterschiede im Denken und Handeln der Europäer bleiben und man sollte sie auch nicht weg wünschen. Frankreich ist in der Regel rasch zum militärischen Eingreifen bereit, manchmal zu rasch, wie sich 2011 in Libyen zeigte. Deutschland hält bisher an seiner historisch gut begründeten "Kultur der Zurückhaltung" fest. In Paris entscheidet der Präsident, in Berlin das Parlament. Frankreich ist Atommacht, Deutschland hat feierlich und für alle Zeiten Nuklearwaffen abgeschworen.

Dies alles ist nicht leicht zusammenzubringen. Meint Europa es ernst mit einer gemeinsamen Armee, dann macht es sich auf einen langen Weg. Der würde nicht nur unfassbar teuer werden, sondern auch ins Ungewisse führen. Schlimm genug, dass Trump in all seiner Beschränktheit an den Festen des transatlantischen Bündnisses rüttelt. Europa sollte ihm nicht den Triumph gönnen, vor aller Welt die Schwächen der EU zu offenbaren, indem es Truppen sammelt, die es gar nicht hat.