Das Überseegebiet Neukaledonien bleibt weiter ein Teil von Frankreich. Bei dem Referendum auf der südpazifischen Inselgruppe habe eine klare Mehrheit gegen die Unabhängigkeit gestimmt, berichtete das neukaledonische Fernsehen. Dem vorläufigen Endergebnis zufolge votierten knapp 57 Prozent gegen eine Abspaltung. Für die Trennung nach mehr als anderthalb Jahrhunderten stimmten demnach rund 43 Prozent.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach in einer Rede an die Nation aus dem Pariser Élysée-Palast von einer "historischen Etappe". "Ich bin als Staatschef stolz darauf, dass sich die Mehrheit der Kaledonier für Frankreich entschieden hat", sagte Macron.

Insgesamt waren etwa 175.000 der 270.000 Einwohnerinnen und Einwohner stimmberechtigt. Das Referendum hätte ursprünglich bereits 1998 stattfinden sollen, wurde aber mehrfach hinausgezögert. Die Inselgruppe wurde 1853 von Frankreich in Besitz genommen und anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Neukaledonien hat nach wie vor geostrategische Bedeutung für die Regierung in Paris.

Vor allem die Gruppe der Kanaken, die indigene Bevölkerungsgruppe Neukaledoniens, befürwortete eine Loslösung. Sie stellen heute aber nur noch knapp 40 Prozent der Bevölkerung. Gegner der Unabhängigkeit verwiesen hingegen auf die finanzielle Unterstützung durch Frankreich – diese beträgt 1,3 Milliarden Euro im Jahr. Sie befürchteten wirtschaftliche Nachteile durch eine Loslösung von Frankreich.

"Es gibt keinen anderen Weg als den Dialog"

Macron rief in seiner Ansprache alle Beteiligten auf, eng miteinander im Gespräch zu bleiben. "Es gibt keinen anderen Weg als den Dialog", sagte der französische Präsident. Er schloss seine Ansprache mit den Worten: "Es lebe Neukaledonien. Es lebe die Republik. Es lebe Frankreich."

Am Montag wird Frankreichs Premierminister Édouard Philippe zu einem Besuch in der Hauptstadt Nouméa erwartet. Aus Sorge vor Unruhen verstärkte der Staat die Sicherheitskräfte. In einigen Stadtvierteln Nouméas zündeten Kriminelle in der Nacht zum Sonntag bereits Autos an.

Südpazifik - Wird Neukaledonien der jüngste Staat der Welt? Die Bürgerinnen und Bürger des französischen Archipels haben über ihre Unabhängigkeit abgestimmt. Laut ersten Umfragen will eine Mehrheit weiterhin zu Frankreich gehören. © Foto: Mathurin Derel/AP