Nordkoreas Präsident Kim Jong Un treibt sein Langstreckenraketenprogramm einem Bericht zufolge heimlich weiter voran. Satellitenbilder sollen belegen, dass die nordkoreanische Führung an 16 verborgenen Standorten an dem Ausbau ihres Waffen- und Raketenarsenals arbeite, schreibt die New York Times. Nordkorea habe dies nicht offengelegt und täusche die US-amerikanischen Verhandlungspartner. 

Das Blatt beruft sich auf eine Untersuchung des Non-Profit-Thinktanks CSIS (Zentrum für strategische und internationale Studien). "Es ist nicht so, dass diese Basen stillgelegt wären", sagte Victor Cha, der Leiter des Teams, das die Satellitenbilder ausgewertet hat. Sein Co-Autor Joseph S. Bermudez Jr. sagt, die Motivation Nordkoreas scheine zu sein, ihre Fähigkeiten weiter auszubauen. "Jede Rakete auf diesen Militärbasen kann einen nuklearen Sprengkopf tragen", sagte er. 

An den entdeckten Standorten gebe es keine Startvorrichtungen, und teilweise seien sie auch sehr rudimentär, hieß es in dem Bericht. Sie zeigten aber das Ausmaß des nordkoreanischen Raketenprogramms und die Entschlossenheit, dieses auch geheim zu halten, schrieben die Autoren.

Der Bericht zeigt unter anderem die Raketenbasis Sakkanmol, etwas mehr als 80 Kilometer nördlich der entmilitarisierten Zone zwischen beiden Staaten. Es ist einer der am nächsten an Südkorea gelegenen Stützpunkte. Die südkoreanische Hauptstadt Seoul ist nur knapp 130 Kilometer entfernt.

Die Bilder sollen Eingänge zu Tunnelsystemen zeigen

Auf den Bildern ist der Eingang zu der Basis zu sehen, Gebäude, Sicherheitszonen und Eingänge zu einem unterirdischen Tunnelsystem, in denen Raketen und Transportfahrzeuge lagern sollen. Laut CSIS-Bericht soll Sakkanmol sieben längliche Tunnel umfassen, in denen bis zu 18 Raketen versteckt sein könnten.

Der Bericht zeigt auch Standorte, an denen die Interkontinentalraketen lagern sollen, die Nordkorea in 2017 getestet hatte. "Diese Orte sind definitiv aktiv", sagte Cha. 

US-Präsident Donald Trump spricht regelmäßig von großen Fortschritten bei den Gesprächen mit Nordkorea. Im Juni hatte er sich in Singapur mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zu einem historischen Gipfel getroffen. Kim hatte dort seinen Willen zur atomaren Abrüstung bekundet. Er hat bisher aber keine konkreten Zusagen gemacht, wann und wie sein bestehendes Atomwaffen- und Raketenarsenal abgebaut werden soll. Auch ist noch unklar, wie die Gegenleistungen der USA aussehen. In den nächsten Monaten soll ein zweites Treffen Trumps mit Kim stattfinden.

Ursprünglich hatte sich US-Außenminister Mike Pompeo vor wenigen Tagen in New York mit Nordkoreas Chefunterhändler Kim Yong Chol treffen wollen, um den zweiten Gipfel vorzubereiten. Das Treffen war jedoch kurzfristig auf ein unbestimmtes Datum verschoben worden. 

Trump verkauft seine Nordkoreapolitik seit Monaten als großen Erfolg. Die New York Times schrieb unter Berufung auf die neuen Erkenntnisse, die nordkoreanische Führung speise die US-Regierung bewusst mit kleinen Entgegenkommen ab, während sie hinter den Kulissen einen Ausbau des eigenen Raketenarsenals forciere.