Der US-Geheimdienst CIA hält Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman für den Auftraggeber des Mordes an dem regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi. Das berichteten mehrere US-Medien, darunter das Wall Street Journal und die New York Times, unter Berufung auf amerikanische Regierungsvertreter. Die Washington Post berichtete, die Regierung habe der CIA-Einschätzung eine hohe Glaubwürdigkeit attestiert.

Die saudi-arabische Regierung dagegen hat eine Verstrickung des Kronprinzen in den Mord an Khashoggi stets bestritten. Der Journalist war unter ungeklärten Umständen bei einem Besuch des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul am 2. Oktober verschwunden. Erst nach längerem Zögern räumte Saudi-Arabien ein, dass Khashoggi getötet worden sei. Sein Leichnam blieb jedoch verschwunden.

Zu den Indizien, die die CIA für ihre Schlussfolgerung heranzieht, gehört laut den Berichten unter anderem ein Telefonat, das der Bruder des Kronprinzen mit Khashoggi geführt haben soll. Darin sei Khashoggi aufgefordert worden, Dokumente im Konsulat in Istanbul abzuholen. Ihm sei versichert worden, dass dabei keine Gefahr bestehe. Das Telefonat sei auf Anordnung des Kronprinzen erfolgt.

Die amerikanischen Regierungsmitarbeiter räumten laut US-Medien ein, dass ein eindeutiger Beweis für die Verantwortung des Kronprinzen in dem Fall fehle. Bei der Beurteilung des Falls sei neben den Indizien auch in Betracht gezogen worden, wie Saudi-Arabien funktioniere und dass ein solches Vorgehen ohne die Zustimmung des Kronprinzen nicht denkbar sei.

Am Randes seines Besuchs in Papua-Neuguinea, wo er derzeit am Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforum (Apec) teilnimmt, bezeichnete US-Vizepräsident Mike Pence die Tötung Khashoggis als eine "Gräueltat" und einen "Angriff auf eine freie und unabhängige Presse". Zu den Medienberichten über die CIA-Erkenntnisse wollte er sich nicht äußern. "Wir werden uns an die Fakten halten", sagte er und betonte: "Die USA sind entschlossen, all diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die für diese Tötung verantwortlich sind."

Sollten sich die Erkenntnisse der CIA bestätigen, würde dies nicht nur die Beziehungen zwischen den USA und dem wichtigen Verbündeten Saudi-Arabien weiter belasten, sondern auch der Staatsanwaltschaft in Riad direkt widersprechen. Diese hatte den Kronprinzen zuletzt erneut entlastet und stattdessen fünf Beschuldigte angeklagt; ihnen droht die Todesstrafe.

Die US-Regierung wiederum plant Sanktionen gegen 17 Staatsbürger Saudi-Arabiens. Nach Auskunft einer mit dem Vorhaben vertrauten Person sind unter anderem ein ehemaliger hochrangiger Berater von Kronprinz Salman betroffen sowie der saudi-arabische Generalkonsul in der Türkei, Mohammed al-Otaibi.