Die SPÖ hat eine neue Vorsitzende: Pamela Rendi-Wagner wurde auf dem Parteitag in Wels in der Nähe von Linz zur Parteichefin der österreichischen Sozialdemokraten gewählt. Als einzige Kandidaten erhielt die 47-Jährige 97,8 Prozent der Stimmen. Erstmals in der Geschichte der SPÖ hat nun eine Frau den Parteivorsitz inne.

Die neue Oppositionsführerin erklärte sich auf dem Parteitag bereit, Verantwortung für das Land zu übernehmen, und sagte, sie wolle die erste Bundeskanzlerin Österreichs werden. Sie mahnte, dass Politikerinnen und Politikern den Menschen besser zuhören müssten, um ihre Ängste und Sorgen zu verstehen: "Es sind so viele, die sich alleingelassen fühlen, die sich im Stich gelassen fühlen." Politik solle das Leben der Menschen leichter machen.

"Diese Regierungsspitze ist vereint in ihrer Selbstverliebtheit"

Kritisch äußerte sich Rendi-Wagner über die rechtskonservative österreichische Regierung aus ÖVP und FPÖ: "Diese Regierungsspitze ist vereint in ihrer Selbstverliebtheit, ihrer Feigheit und in ihrer Arroganz den Menschen dieses Landes gegenüber." Bundeskanzler Sebastian Kurz habe nichts zur Integration von Zuwanderern beigetragen. Rendi-Wagner warf dem Regierungschef vor, nur an seinem persönlichen Aufstieg interessiert zu sein.

Rendi-Wagner ist erst seit zwei Jahren Mitglied der SPÖ. Bis zur Wahlniederlage der Regierungskoalition aus SPÖ und ÖVP im vergangenen Jahr war sie mehrere Monate als Ministerin für Frauen und Gesundheit tätig. Im September hatte der Vorstand der SPÖ Rendi-Wagner als Parteichefin vorgeschlagen. Als Vorsitzende der SPÖ folgt sie auf den ehemaligen Bundeskanzler Christian Kern, der im September seine politischen Ämter niedergelegt hatte. Rendi-Wagner hat bereits den Fraktionsvorsitz übernommen. Sie ist Ärztin und gilt als Expertin auf dem Gebiet der Reisemedizin.