Die britische Premierministerin Theresa May hat in einer Rede vor dem Unterhaus dafür geworben, bei der kommenden Abstimmung für das ausgehandelte Brexit-Abkommen zu stimmen. "Das britische Volk will, dass wir vorankommen mit dem Deal", sagte sie. "Ich kann diesem Haus mit absoluter Gewissheit sagen: Es wird keinen besseren Deal geben."

May sagte auch, wann das britische Parlament über das Abkommen abstimmen soll: am 11. Dezember. Davor solle das Parlament fünf Tage lang darüber diskutieren, teilte die Regierung mit. Am Wochenende hatten bereits die Regierungschefs der verbleibenden 27 EU-Länder den Vertrag gebilligt.

"Niemand weiß, was passiert, wenn dieser Deal nicht angenommen wird", warnte May. "Unsere Pflicht als Parlament ist es in diesen kommenden Wochen, dieses Abkommen im Detail zu überprüfen, es respektvoll zu diskutieren, auf unsere Bürger zu hören und zu entscheiden, was in unserem nationalen Interesse ist."

Mehrheit im Unterhaus nicht sicher

Es ist unsicher, ob sich im Unterhaus eine Mehrheit findet. Bei den regierenden Torys haben sich einige Abgeordnete gegen das Brexit-Abkommen ausgesprochen. Auch die nordirische Partei DUP, die jegliche Sonderrolle Nordirlands im Vertrag ablehnt, will das Abkommen nicht unterstützen – auf deren Stimmen ist Mays Minderheitsregierung jedoch angewiesen.

Widerstand kündigte auch die Opposition an. Der Chef der sozialdemokratischen Labour-Party, Jeremy Corbyn, bezeichnete es als "Akt nationaler Selbstverletzung", dass May auf dem Deal beharrt. Die Verhandlungen seien gescheitert, seine Partei werde daher gegen den Deal stimmen, sagte er. Auf eine Mehrheit im Unterhaus könne May nur hoffen, wenn sie eine engere Anbindung an die EU suche.

Brexit-Deal gefährdet laut Trump künftige Handelsbeziehungen zwischen USA und Großbritannien

Den Deal mit der EU kritisierte auch US-Präsident Donald Trump. Er behauptete, dass dadurch ein Nachteil für Großbritannien entstehen würde - auch mit Blick auf künftige Handelsbeziehungen mit seinem Land. Die Vereinbarung von Premierministerin Theresa May "klingt nach einem großartigen Deal für die EU", sagte er am Montag vor dem Weißen Haus. Damit hätte es das Vereinigte Königreich aber schwerer, einen Handelspakt mit den USA zu schmieden. "Wenn man sich den Deal jetzt so ansieht, werden sie womöglich nicht in der Lage, mit uns Handel zu treiben, und das wäre keine gute Sache." Er glaube nicht, dass Premierministerin May dies beabsichtigte. "Hoffentlich wird sie in der Lage sein, etwas zu unternehmen."

In einer Reaktion stellte Mays Büro klar, dass das Land nach dem mit der EU erzielten Deal "eine unabhängige Handelspolitik haben wird, sodass das Vereinigte Königreich mit Ländern auf der ganzen Welt Handelsdeals unterzeichnen kann - darunter mit den USA." Trumps Äußerungen werteten Beobachter dennoch als weiteren Schlag für May.

May erwägt TV-Duell mit Corbyn

Bis zur Abstimmung hat May zahlreiche öffentliche Termine in allen Teilen des Landes, um für den Vertrag zu werben und gleichzeitig mehr Druck auf das Unterhaus zu machen. Einem Bericht des Telegraph zufolge erwägt sie ein TV-Duell mit Corbyn. May warnt seit Tagen davor, dass es zu Spaltungen und Unsicherheit komme, sollte das Unterhaus das Abkommen ablehnen. In diesem Fall drohe nach Ansicht Mays entweder ein ungeordneter Austritt Großbritanniens, der drastische wirtschaftliche Folgen mit sich bringe, oder überhaupt kein Brexit. In Medienberichten heißt es, es könnte zu einer Neuwahl oder auch zu einem zweiten Brexit-Referendum kommen, sollte sich May mit ihrem Deal nicht durchsetzen können.

Nachverhandlungen in Brüssel soll es laut May und der EU nicht geben. Dem Brexit-Beauftragten der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Elmar Brok, zufolge erhalten die Briten für weitere Verhandlungen "keine zweite Chance", wie er dem ARD-Morgenmagazin sagte.