Erstmals hat eine türkische Website Zitate veröffentlicht, die den gewaltsamen Tod des regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi bezeugen sollen. Laut Habertürk stammen sie von den Tonaufnahmen, die am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul gemacht wurden und den türkischen Sicherheitsbehörden vorliegen. Darauf ist demnach zu hören, wie Khashoggi ruft: "Lass meinen Arm los! Was denken Sie, was Sie da tun?" Auch die Zeitung Hürriyet berichtet über die Aufnahmen.

Khashoggi betrat das Istanbuler Konsulat am 2. Oktober, um Unterlagen für seine bevorstehende Hochzeit abzuholen. Galt er zunächst offiziell als vermisst, räumte Saudi-Arabien Mitte Oktober ein, der Regimekritiker sei im Konsulat bei einer Auseinandersetzung mit mehreren Personen getötet worden. Türkische Behörden gehen davon aus, dass ein Spezialkommando aus Saudi-Arabien eigens zu diesem Zweck anreiste und Khashoggis Leiche später beseitigte. Seit Wochen lanciert die türkische Regierung über Medien Details zu den Vorfällen im Konsulat, die die Führung Saudi-Arabiens schwer belasten. Der Öffentlichkeit hat sie bisher keinen Zugang zu den Tonaufnahmen gewährt. 

Die Aufnahmen, über die türkische Medien am Dienstag berichten, sollen dokumentieren, was vor sieben Wochen im Istanbuler Konsulat geschah: Zunächst habe es eine sieben Minuten lange Auseinandersetzung zwischen Khashoggi und vier Angreifern gegeben. Den Aufnahmen zufolge sei Khashoggi dann in einen anderen Bereich des Hauses, die "Abteilung B", gebracht worden – eine Version, die früheren Darstellungen widerspricht, wonach Khashoggi bereits kurz nach Betreten des Hauses tot gewesen sein soll.

Fall Khashoggi - Saudi-Arabien weist Anschuldigungen der CIA zurück Es ist die erste Stellungnahme der Führung in Riad zu Medieninformationen, nach denen der US-Geheimdienst den Kronprinzen Mohammed bin Salman für den Auftraggeber des Mordes an Jamal Khashoggi hält. © Foto: Giuseppe Cacace/Getty Images

Eine zweite Aufnahme aus diesem Teil des Hauses sei vier Minuten lang, berichten Habertürk und Hürriyet. Zu hören seien nun eine weitere verbale Auseinandersetzung mit Khashoggi, aber auch die Geräusche eines Kampfes, dann die von "Schlägen" und "Folter". Die Aufnahmen seien aber fast zwei Stunden lang unterbrochen worden, vermutlich von Störgeräten der Saudis.

Insgesamt seien die Stimmen von sieben Männern zu hören. Türkischen Sicherheitsbehörden zufolge, so heißt es weiter, sei einer der Sprecher als Mahir Mutrib identifiziert worden. Er soll gesagt haben: "Verräter. Du wirst zur Rechenschaft gezogen werden." Das Stimmprofil wurde laut Hürriyet mit Stimmproben verglichen, die bei der Einreise des Mannes von Grenzbeamten aufgenommen worden seien. US-amerikanische Medien hatten Mutrib als regelmäßigen Begleiter des saudischen Kronprinzen identifiziert.

Kritik an der Monarchie stellt "rote Linie" dar

Mutribs Stimme sei auch in 19 Telefongesprächen mit Saudi-Arabien zu hören. Vier dieser Gespräche seien mit dem persönlichen Berater des Kronprinzen, Saud al-Kahtani, geführt worden. Das US-Finanzministerium hatte vergangene Woche mitgeteilt, die Operation zur Tötung Khashoggis sei von Mutrib koordiniert worden.

US-Medien berichten darüber hinaus, der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman habe die Tötung des regimekritischen Journalisten angeordnet. Der US-Geheimdienst CIA habe entsprechende Informationen, die in Kürze US-Präsident Donald Trump vorgelegt werden sollen.

Saudi-Arabien weist indes jegliche Kritik am Kronprinzen zurück. Außenminister Adel al-Dschubeir sagte in einem Interview mit der Zeitung Aschark al-Ausat: "Ich möchte betonen, dass die Führung des Königreichs Saudi-Arabien, vertreten durch den König und den Thronfolger, ein rote Linie ist." Weiter sagte er: "Wir werden keine Versuche zulassen, sie anzutasten, von wem auch immer und unter welchem Vorwand auch immer."