Im französischen Überseegebiet Neukaledonien hat ein Referendum über die Unabhängigkeit von Frankreich begonnen. Knapp 175.000 Wahlberechtigte können darüber abstimmen, ob sie eine "vollständige Souveränität und Unabhängigkeit" des Gebietes befürworten. Umfragen lassen eine Mehrheit von 60 bis 69 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die Beibehaltung des Status quo erwarten.

Gegner der Unabhängigkeit verweisen auf die finanzielle Unterstützung durch Frankreich – 1,3 Milliarden Euro im Jahr. Sie befürchten wirtschaftliche Nachteile, sollten die Verbindungen nach Frankreich gekappt werden. Befürworter der Unabhängigkeit gibt es vor allem unter den einheimischen Kanak, die etwa 40 Prozent der Bevölkerung stellen. Etwa 27 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner sind europäischer Herkunft. Die übrige Bevölkerung stammt aus asiatischen Ländern oder von anderen pazifischen Inseln.

Vor 30 Jahren war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen um die Frage der Unabhängigkeit gekommen. Bei einer Geiselnahme auf der Insel Ouvéa nahmen Mitglieder einer Unabhängigkeitsbewegung 1987 etwa 30 Gendarmen gefangen. In einem Referendum im Jahr 1987 stimmten 98 Prozent dafür, ein Teil Frankreichs zu bleiben. Die Abstimmung wurde jedoch von der Unabhängigkeitsbewegung der Kanak boykottiert. Das Nouméa-Abkommen von 1998 sollte eine Einigung des Konflikts herbeiführen. Der Vertrag sieht nach dem Referendum am Sonntag zwei weitere bis 2022 vor, falls die Wählerinnen und Wähler gegen die Unabhängigkeit stimmen.

Die Inselgruppe ist in den Bereichen Verteidigung, Strafverfolgung, Außenpolitik, Justiz und Bildung vollständig auf Frankreich angewiesen, genießt jedoch auch weitreichende Autonomie. Neukaledonien wird in der französischen Nationalversammlung durch zwei Abgeordnete vertreten und gilt als assoziiertes Gebiet der Europäischen Union. Die Einwohner dürfen damit auch bei Europawahlen ihre Stimme abgeben. Die Währung ist nicht der Euro, sondern der Pazifik-Franc.

Die Inseln liegen 1.200 Kilometer östlich von Australien im südwestlichen Pazifik. Das heute 270.000 Einwohner zählende Gebiet wurde 1853 von Frankreich in Besitz genommen. Auf Neukaledonien befindet sich etwa ein Viertel der weltweiten Nickelvorkommen. Nickel ist ein wichtiger Rohstoff bei der Herstellung elektronischer Geräte.

Das Gebiet hat auch geostrategisch Bedeutung: Kritikerinnen einer Unabhängigkeit warnen davor, dass China seinen Einfluss in der Region vergrößern könnte, wenn sich Frankreich zurückzieht.