Die Ukraine hat einen weiteren Schritt zur kirchlichen Loslösung von Moskau gemacht. Es soll eine eigenständige ukrainisch-orthodoxe Kirche geschaffen werden. Präsident Petro Poroschenko und der Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., vereinbarten in Istanbul eine Zusammenarbeit bei der Einrichtung der neuen Kirche.

Nach Ende der Sowjetunion hatten sich in der Ukraine nationale Kirchen neben der russisch-orthodoxen Kirche gebildet. Die russisch-orthodoxe Kirche hat die Beziehungen zum ranghöchsten Kirchenführer Bartholomäus abgebrochen, da er eine ukrainische Kirche anerkennen will. Damit ist die Gruppe der orthodoxen Christen tief gespalten. Knapp 70 Prozent der 45 Millionen Ukrainer bekennen sich laut einer aktuellen Umfrage zum orthodoxen Christentum.

Laut Poroschenko stehen in dem Abkommen die Bedingungen für die Einberufung eines ukrainischen Konzils zur Gründung der eigenständigen Kirche und die anschließende formelle Erklärung der kirchlichen Unabhängigkeit, genannt Autokephalie. "Ich möchte betonen, dass der 3. November ein historischer Tag ist für die Bildung einer ukrainischen autokephalen orthodoxen Kirche", sagte der Präsident. Er rief die Ukrainer zum Gebet "für Frieden und für die Einheit der ukrainischen Kirche" auf.

Drei orthodoxe Kirchen konkurrieren

Hauptproblem bei der Neugründung ist, dass in der Ex-Sowjetrepublik Ukraine drei orthodoxe Kirchen nebeneinander bestehen. Die moskautreue Kirche ist die größte von ihnen, die beiden anderen sehen sich bereits als Nationalkirchen. Das Leitungsgremium des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel hatte Anfang Oktober die Bildung einer eigenständigen ukrainisch-orthodoxen Landeskirche befürwortet. Zugleich erkannte es zwei vom orthodoxen Moskauer Patriarchat abgespaltene Kirchen in der Ukraine an.

Russlands Präsident Wladimir Putin warnte vor der Loslösung der ukrainischen Kirche von Moskau. Er unterstellte der ukrainischen Staatsführung "plumpen Nationalismus" und Russland-Feindlichkeit: "Diese Politik kann sehr ernste Konsequenzen haben. Sie ist gefährlich." Kiew wirft hingegen der russisch-orthodoxen Kirche vor, ein "politisches Werkzeug" von Putin zu sein und dessen "Hybrid-Krieg gegen die Ukraine" zu unterstützen.

Poroschenko und das ukrainische Parlament des Landes hatten im April Bartholomäus I. offiziell aufgefordert, der orthodoxen Kirche in der Ukraine die Autokephalie zu verleihen. Beobachter vermuten, dass Poroschenko die Kirchenfrage vorantreibt, weil er auf Wählerstimmen bei der Präsidentenwahl im März 2019 hofft.