In den USA deutet sich eine hohe Wählerbeteiligung bei den Kongresswahlen an. Laut einem Bericht der New York Times übersteigt in 22 Bundesstaaten sowie im District of Columbia, in dem die Hauptstadt Washington liegt, die Beteiligung an diesem sogenannten early voting bereits jetzt die bei den Midterm-Wahlen vor vier Jahren. 31,5 Millionen Menschen hätten bis Samstag vorab abgestimmt, im Jahr 2014 hingegen wählten nur 27 Millionen per early vote. In 38 der 50 US-Bundesstaaten können Bürgerinnen und Bürger in den Tagen vor dem eigentlichen Wahltermin am Dienstag ihre Stimme abgeben, entweder persönlich in Wahllokalen oder per Briefwahl.

An den sogenannten Midterm-Wahlen nahmen bisher stets weniger Bürger teil als an Präsidentschaftswahlen. Am Dienstag werden alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses neu bestimmt sowie 35 der insgesamt 100 US-Senatoren.

Besonders hoch ist die Zahl der vorab abgegebenen Stimmen zum Beispiel in Texas. Dort haben nach einem Bericht des Onlinemediums The Texas Tribune in den 30 größten Bezirken, in denen 80 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates leben, bereits über 4,5 Millionen Menschen gewählt. Das sind mehr, als dort im Jahr 2014 insgesamt an den Midterm-Wahlen und im Jahr 2012 an den Präsidentschaftswahlen teilgenommen haben. Die Texas Tribune beruft sich dabei auf offizielle Zahlen der örtlichen Behörden. In dem Bundesstaat findet bei den diesjährigen Wahlen eines der härtesten Rennen um einen US-Senatorenposten statt: Amtsinhaber Ted Cruz, der bei den Vorwahlen der republikanischen Partei zu den US-Präsidentschaftswahlen 2016 als Kandidat dem späteren Wahlsieger Donald Trump unterlegen war, tritt gegen Beto O'Rourke an, der als Hoffnungsträger der Demokraten gilt.

Nach Angaben der New York Times wurden aber auch in Bundesstaaten wie Nevada, Arizona und Tennessee bereits im Early-voting-Prozess genauso viele oder annähernd so viele Stimmen abgegeben wie bei den Kongresswahlen 2014 insgesamt. In Iowa, Ohio und Wyoming hingegen haben bislang noch nicht so viele Menschen vorab gewählt wie 2014.

Die Nachrichtenseite The Hill berichtet, dass sich insbesondere die Teilnahme junger Wählerinnen und Wähler am early voting zum Teil erheblich erhöht habe. So habe sich die Menge der 18- bis 29-Jährigen, die bereits vorab gewählt haben, in Texas und Nevada verfünffacht im Vergleich zu 2014. Damals hätten allerdings nur wenige Junge an den Kongresswahlen teilgenommen, zitiert The Hill den Politikwissenschaftler Michael McDonald: Angesichts der niedrigen Zahlen von 2014 sei es kein Wunder, "wenn diese sich verdoppeln". Tom Bonier, CEO der Politikberatungsfirma TargetSmart, die das early voting analysiert, berichtet auch von einer erhöhten Beteiligung von nicht weißen US-Wählern.

Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind verfrüht

Amerikanische Wahlforscher warnen jedoch davor, die erhöhte Beteiligung von jungen und nicht weißen Wählerinnen und Wählern, die traditionell eher den Demokraten ihre Stimme geben, bereits als eindeutige Tendenz dafür zu betrachten, dass diese Partei als Sieger aus den Midterm-Wahlen hervorgehen werde. So zitiert die US-Website Vox etwa den Politikwissenschaftler Paul Gronke vom Reed College in Portland: Menschen, die vorab ihre Stimme abgeben, seien schlicht solche, die sich bereits im Vorfeld des Wahltermins entschieden hätten, wen sie wählen wollen. "Ich bin skeptischer als manch meiner Kollegen, dass wir von der Beteiligung am early voting großartig Rückschlüsse ziehen können." Ebenso ist keinesfalls sicher, dass durch das frühe Wählen die Wahlbeteiligung diesmal insgesamt höher ausfallen wird.

Die diesjährigen Kongresswahlen gelten als Votum der Amerikaner über die ersten beiden Amtsjahre von Präsident Donald Trump. Dieser hat in den vergangenen Tagen und Wochen eine ganze Reihe von Auftritten absolviert, in denen er versuchte, vor allem Fragen zu Migration zum zentralen Wahlkampfthema zu machen.

Die meisten Wahlforscher geben den Demokraten gute Chancen, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückzuerhalten, in dem derzeit die Republikaner die Mehrheit haben, ebenso wie im Senat. Bei den Wahlen zum Senat hingegen gilt es als wahrscheinlicher, dass die Republikaner ihre knappe Mehrheit in dieser Kammer des Kongresses verteidigen.