Vier Tage nach den Zwischenwahlen in den USA haben die Behörden in Florida eine Neuauszählung der Stimmzettel angeordnet. Die Stimmen bei der Wahl für den US-Senat sowie für den Gouverneursposten müssen maschinell neu ausgezählt werden, teilten mehrere US-Medien übereinstimmend unter Berufung auf Behördenvertreter in Florida mit. Die Gesetze des Bundesstaates schreiben eine Neuauszählung vor, wenn der Abstand zwischen den Kandidaten nur bis zu 0,5 Prozentpunkte beträgt. Der Vorsprung zweier republikanischer Kandidaten lag den Berichten zufolge deutlich darunter. Mit den Ergebnissen sei den Behörden zufolge am Donnerstag zu rechnen.

Im Rennen um den Senatssitz in Florida war der republikanische Kandidat, Floridas amtierender Gouverneur Rick Scott, gegen den derzeitigen demokratischen Senator Bill Nelson angetreten. Scott hatte am Wahlabend knapp vorne gelegen. Nach der Auszählung weiterer Briefwahlstimmen hat sich sein Vorsprung aber mittlerweile so weit verringert, dass eine Neuauszählung der Stimmen nun nötig wird.

Gleiches gilt für die Gouverneurswahl in Florida. Der Demokrat Andrew Gillum hatte in der Wahlnacht zunächst seine Niederlage gegen den Republikaner Ron DeSantis eingeräumt. Angesichts des knappen Vorsprungs von DeSantis wird nun aber auch hier neu ausgezählt.

Republikaner sprechen von Wahlbetrug

Einige Mitglieder der Republikanischen Partei sowie US-Präsident Donald Trump wähnen Manipulationsversuche hinter einer möglichen Neuauszählung der Stimmen. Der US-Präsident deutete auf Twitter den Verdacht von Wahlunregelmäßigkeiten an. Am vergangenen Donnerstag schrieb er: "Die Strafverfolgungsbehörden sehen sich einen weiteren großen Korruptionsskandal an, der mit Wahlbetrug in Broward und Palm Beach zu tun hat." Nähere Angaben zu seinem Verdacht machte Trump nicht. Kurz nach der Entscheidung für eine Neuauszählung in Florida nannte Trump diese auf Twitter einen Versuch, "zwei große Wahlen in Florida zu stehlen" und fügte hinzu: "Wir schauen uns das ganz genau an!"

Auch der republikanische Senator Floridas, Marco Rubio, dessen Sitz bei der Abstimmung am Dienstag nicht zur Wahl gestanden hat, hat schwere Vorwürfe erhoben. Er beschuldigte Brenda Snipes, die Wahlleiterin im Broward County in Florida, des Wahlbetrugs. Auf Twitter sprach Rubio von in der Vergangenheit illegal zerstörten Wahlzetteln, heimlich geöffneten Briefwahlunterlagen, falsch versandten Wahlunterlagen und unterschlagenen Texten auf Wahlzetteln – für all dies sei Snipes verantwortlich gewesen. Snipes habe öffentlich ihre Abneigung gegen Rick Scott deutlich gemacht.

Neuauszählung ändert nichts an der Mehrheit der Republikaner im Senat

Trumps Republikaner hatten bei den Kongresswahlen ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren, ihre knappe Mehrheit im Senat jedoch verteidigt. Dort haben sie trotz der Neuauszählung 51 der 100 Sitze sicher. Sollten nach der Neuauszählung weitere Staaten an die Demokraten gehen, würde sich an der Mehrheit für die Republikaner im Senat also nichts ändern. Allerdings wäre es ihnen dann nur gelungen, ihre hauchdünne Mehrheit zu halten, anstatt diese – wie von ihnen erhofft – weiter auszubauen.

Die Amerikaner hatten bereits am Dienstag einen neuen Kongress gewählt. Vergeben wurden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im US-Senat, der anderen Kammer des US-Parlaments. Neben Florida sind auch in anderen Bundesstaaten noch einzelne Entscheidungen offen: etwa in Arizona, Mississippi und Georgia.

In Georgia hat sich der republikanische Kandidat Brian Kemp zwar schon selbst zum Sieger erklärt. Offiziell ausgerufen ist das Ergebnis aber noch nicht. Die Kandidatin der Demokraten, Stacey Abrams, ist dort angetreten, um die erste schwarze Gouverneurin eines Bundesstaates in der Geschichte der USA zu werden. Sie sieht das Rennen als noch offen an. Kemp liegt nach bisherigem Stand nur hauchdünn oberhalb der nötigen Schwelle von 50 Prozent der Stimmen. Ohne diese Mindestzahl ist eine Stichwahl in dem Bundesstaat vorgesehen.