In den USA haben die Kongresswahlen, die sogenannten Midterms, begonnen. Erste Wahllokale öffneten an der Ostküste des Landes im Bundesstaat Vermont. So wie im gesamten Land sind die Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, das Parlament für die kommenden zwei Jahre zu bestimmen. Dabei werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat vergeben. Mit aussagekräftigen Ergebnissen wird erst am frühen Mittwochmorgen mitteleuropäischer Zeit gerechnet, nachdem auch die Wahllokale in den westlichsten Zeitzonen in Alaska und auf Hawaii geschlossen haben.

Den jüngsten Umfragen zufolge müssen die regierenden Republikaner befürchten, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu verlieren. Dafür müssten die Demokraten 23 Sitze zulegen. Im Senat – der zweiten Kammer des US-Parlaments – zeichnet sich ab, dass die Republikaner ihren knappen Vorsprung von derzeit 51 zu 49 Sitzen halten können. 

Schon eine Mehrheit der Demokraten im Abgeordnetenhaus könnte vor allem für Präsident Donald Trump unangenehm werden. Die Demokraten könnten nicht nur all seine Gesetze abändern oder gar komplett blockieren, sondern auch zahlreiche Untersuchungen gegen ihn einleiten. Deren Ergebnisse könnten die Grundlage für ein Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) bilden, das mit der einfachen Mehrheit im Repräsentantenhaus beschlossen werden kann. Entschieden würde über eine Amtsenthebung allerdings schlussendlich im Senat, dort wäre eine Zweidrittelmehrheit nötig – ein bislang eher unrealistisches Szenario.

Sowohl die Demokraten als auch Donald Trump haben die Abstimmung zu einem Referendum über die Politik des Präsidenten erklärt. "Obwohl ich nicht auf dem Stimmzettel bin, stehe ich in gewisser Weise auf dem Stimmzettel", sagte Trump bei einem seiner letzten Wahlkampfauftritte, mit denen er bis zum Schluss seine Anhänger mobilisieren wollte. Meist versuchte er mit Attacken gegen die Demokraten und gegen die Medien zu punkten – und mit Lobeshymnen auf die Verdienste seiner Regierung. Kritik, wonach er das Land mit seiner aggressiven Rhetorik weiter spaltet, wies er stets von sich.

USA - Darum geht es bei den Midterms Am 6. November werden in den USA die Abgeordneten für Senat und Repräsentantenhaus gewählt. Was sich durch die Wahl verändern könnte, erklärt unser Video.

Viel beachtete politische Themen des gesamten Wahlkampfs waren neben den Rechten von Einwanderern auch die Rechte von Waffenbesitzern, von Frauen und von Minderheiten in den USA. Die Zukunft des Gesundheitssystems, allen voran die der Krankenversicherung – benannt nach Trumps von ihm so verhassten Vorgänger Barack Obama –, stand ebenfalls zur Debatte. Außenpolitische Themen interessierten eher weniger, es sei denn, der Amtsinhaber forderte unter dem lauten Jubel seiner Anhänger den Bau einer "schönen neuen Mauer" an der Grenze zu Mexiko.

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